Obwohl der Frühling gerade erst begonnen hat, ist die Heuschnupfensaison schon in vollem Gange. Wer jetzt unter langanhaltendem Schnupfen leidet, sollte sich daher testen lassen und sich auch über die verschiedenen Therapiemöglichkeiten informieren. Denn mittlerweile können Ärzte die Behandlungen auf die persönlichen Bedürfnisse maßschneidern und erreichen damit hohe Erfolgsraten.
Es war ein ganz und gar unerwünschtes Nikolausgeschenk, mit dem die Pollenallergiker im vergangenen Jahr bedacht wurden: Pünktlich Anfang Dezember begann der Haselpollen zu fliegen und bescherte den Heuschnupfengeplagten damit ungewöhnlich früh tränende Augen und laufende Nasen. “Viele Menschen glaubten, sie hätten einen Schnupfen”, erinnert sich Professor Ludger Klimek, Leiter des Zentrums für Rhinologie und Allergologie in Wiesbaden.
Normalerweise, erklärt der Experte, lässt sich hauptsächlich an der Zeit des Auftretens erkennen, ob die Beschwerden auf eine Allergie oder auf Viren oder andere Erreger zurückgehen, denn die Symptome sind praktisch gleich. Doch da in Zukunft häufiger mit ungewöhnlichen Pollenflugzeiten gerechnet werden müsse, sollte bei jedem anhaltenden Schnupfen ein Arzt aufgesucht werden, empfiehlt Klimek am besten ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt mit einer Zusatzausbildung in Allergologie. “Der kann dann prüfen, ob eine Infektion vorliegt, und wenn nicht, gleich mit den Allergietests beginnen”, so der Allergologe.
Getestet wird meist zuerst mit dem so genannten Pricktest an Unterarmen oder Rücken. Dabei wird die Haut mit kleinen Nadeln angeritzt und anschließend mit Extrakten des verdächtigen Pollens beträufelt. Besteht eine Allergie, bildet sich eine deutliche rote Schwellung. “Zusätzlich kann man noch eine Blutuntersuchung machen, bei der nach ganz speziellen Abwehrstoffen des Immunsystems, sogenannten IgE-Antikörpern, gesucht wird, oder auch eine Provokation der Nasenschleimhaut, das ist so eine Art Allergietest in der Nase”, erläutert Klimek.
Erhärtet sich der Verdacht, gibt es zwei sich ergänzende Optionen für den Betroffenen: Er kann seine Symptome mithilfe von Medikamenten lindern, und er kann der Allergie mit einer gezielten Immuntherapie grundsätzlich zuleibe rücken. “Bei den Medikamenten gibt es solche, die nur die Symptome lindern und solche, die zusätzlich entzündungshemmend wirken”, berichtet Klimek. Viele moderne Wirkstoffe können bereits beides und machen auch nicht mehr so müde, wie es bei vielen älteren Medikamenten der Fall war.
Langfristig sollte die akute Behandlung jedoch durch eine spezifische Immuntherapie oder Hyposensibilisierung ergänzt werden. Das Prinzip dahinter: Dem Immunsystem, das völlig übertrieben auf den eigentlich harmlosen Pollen reagiert, wird beigebracht, die Blütenstäube zu tolerieren. “Die überschießende Reaktion wird in Richtung auf eine normale Immunantwort umgedreht”, erklärt Professor Thomas Fuchs von der Universität Göttingen das Prinzip.
Meist ist es eine Behandlung mit Spritzen, die das Immunsystem zügeln soll: Dem Allergiker werden die Polleneiweiße, auf die er reagiert, nach und nach in immer größeren Mengen unter die Haut gespritzt. “Normalerweise gibt man zuerst wöchentlich eine Spritze, bis nach drei bis vier Monaten die endgültige Dosis erreicht ist, die dann drei bis vier Jahre lang monatlich gespritzt wird”, so Fuchs. Mittlerweile gibt es auch Varianten, bei denen die Anfangsphase, die Häufigkeit der Spritzen oder auch die Gesamtdauer vom klassischen Konzept abweichen.
Der Vorteil: “Die Therapien sind heute sehr individuell und können auf die Bedürfnisse der Patienten und den Schweregrad der Erkrankung maßgeschneidert werden”, berichtet Fuchs, und Klimek ergänzt: “Wenn Sie etwa einen Piloten haben, kann der vielleicht eine Woche lang jeden Tag kommen, dann aber wieder zwei Wochen nicht. Für andere ist es dagegen günstiger, regelmäßig einmal die Woche zu kommen.”
Seit einigen Jahren gibt es noch eine weitere Alternative: die sublinguale Immuntherapie. Dabei werden die Allergene nicht gespritzt, sondern als Tropfen oder neuerdings in Form einer Tablette unter die Zunge gelegt und nach kurzer Einwirkzeit geschluckt. “Das ist ein faszinierender Ansatz, aber diese Therapieform ist nur für ganz bestimmte Patienten geeignet”, erklärt der Allergologe Fuchs. Der Grund: Die Behandlung erfolgt zu Hause, wo der Betroffene täglich Tablette oder Tropfen einnehmen muss und das vier bis fünf Jahre lang. “Das geht nur bei sehr disziplinierten Patienten und ist geeignet etwa für Menschen mit Angst vor Spritzen oder solche, die sehr viel unterwegs sind”, so der Experte. Effizienz und Verträglichkeit seien nach den bisherigen Daten ziemlich gut, müssten jedoch noch genauer untersucht werden.
Der Standard ist aber nach wie vor die Spritzenvariante. Auch wenn die häufigen Arztbesuche lästig sind, ist der Erfolg beeindruckend: Die Therapie verbessert nicht nur in mehr als 80 Prozent der Fälle die Pollenallergie dramatisch, sie hat auch noch angenehme Nebenwirkungen. “Die Wahrscheinlichkeit für den gefürchteten Etagenwechsel, also eine Umwandlung des Heuschnupfens in Asthma, sinkt stark ab und die Behandlung vermindert die Gefahr, dass sich im Lauf der Zeit weitere Allergien entwickeln”, betonen beide Experten übereinstimmend. Gute Aussichten also für Pollenallergiker und das sind aktuell rund 23 Millionen in Deutschland, Tendenz steigend.
ddp/wissenschaft.de Ilka Lehnen-Beyel





