Sie sind für ihre majestätische Erscheinung berühmt und zieren so manches Wappen. Die Bewunderung hat die Steinadler (Aquila chrysaetos) allerdings nicht vor der Verfolgung bewahrt: In Europa wurden die großen Raubvögel lange als eine Bedrohung betrachtet und bejagt. Mittlerweile haben Schutzbemühungen aber zu einer erfreulichen Erholung einiger Steinadlerpopulationen geführt – so auch in der Alpenregion. Dadurch kommen die Vögel allerdings auch wieder mehr in Kontakt mit dem Menschen. Der Erforschung ihres Verhaltens kommt damit eine zunehmende Bedeutung zu.
Jungadlern auf der Spur
Bisher ist dabei vergleichsweise wenig über die jungen Adler und die Entwicklung ihrer Verhaltensweisen im Lauf der ersten Jahre bekannt. Um Einblicke in diese Lebensphase zu gewinnen, hat ein internationales Forschungsteam 55 junge Steinadler aus Nestern in der Schweiz, Italien, Deutschland, Slowenien und Österreich mit kleinen Datensendern auf dem Rücken ausrüstet. Dank dieser modernen Tracking-Technologie konnten die Forschenden das Flugverhalten der Jungadler im Bereich der Zentralalpen bis zu drei Jahre lang erfassen und untersuchen.
Wie das Team berichtet, zeichneten sich in den Datenanalysen ab, wie die Vögel ihre Flugfähigkeiten im Laufe der Zeit optimieren und dadurch schließlich ein immer größeres Gebiet erkunden können. Dabei kommt dem Segelflug eine wichtige Rolle zu, für den die Greifvögel bekannt sind. Bei diesem Flugmodus nutzen sie mit ihren bis zu 2,30 Metern Flügelspannweite Luftströmungen, um ohne große Distanzen ohne Flügelschläge und daher mit vergleichsweise wenig Energieaufwand zurückzulegen. „Es ist jedoch nicht so leicht, diese unsichtbaren und manchmal tückischen Strömungen zu finden und ihren Körper anzupassen, um Höhe zu gewinnen“, erklärt Erst-Autorin Elham Nourani vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Konstanz.
Aus Mustern in den Daten geht nun hervor, dass der Schlüssel zum wachsenden Erfolg beim Fliegen der Jungadler eine stetig besser werdende Nutzung verschiedener Arten von Aufwinden in ihrem Lebensraum ist. Offenbar müssen junge Adler demnach ihr angeborenes Talent erst verfeinern. Konkret zeigte sich, dass die voll ausgewachsenen Jungadler nach dem Verlassen der Reviere ihrer Elternvögel ihre Flüge zunächst noch auf die Umgebung von Gebirgskämmen beschränkten. Wie die Forschenden erklären, kommt es an diesen Landschaftsstrukturen zu sogenannten orographischen Luftströmungen: Wind wird an den Erhebungen vertikal abgelenkt – die Luft steigt nach oben. Diese Aufwinde lassen sich anhand des Landschaftsbildes vergleichsweise einfach vorhersagen und werden deshalb wohl zunächst bevorzugt von den noch unerfahrenen Steinadlern genutzt, erklären die Forschenden.





