Aufgrund molekulargenetischer Untersuchungen gehen viele Wissenschaftler davon aus, dass die ersten Lebewesen auf der Erde thermophile (wärmeliebende) Bakterien waren. Dem widersprechen nun Céline Brochier und Hervé Philippe von der Université Pierre et Marie Curie in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature (Bd. 417, S. 244). Sie glauben, dass der Bakterienstamm Planctomyces der Urahn allen Lebens auf der Erde ist.
Ähnlich wie Sprachforscher versuchen, anhand von ähnlichen Wortstämmen einen Stammbaum der Sprachen aufzustellen, rekonstruieren Biologen anhand der genetischen Erbinformation den Stammbaum des Lebens. Dazu untersuchen sie den in der ribosomalen Ribonukleinsäure (rRNA) gespeicherten Erbcode.
Brochier und Philippe halten die gewöhnlichen rRNA-Untersuchungen für fehleranfällig. Sie glauben, dass man die Fehleranfälligkeit reduzieren kann, wenn man sich auf die Untersuchung der rRNA-Positionen beschränkt, die sich im Laufe der Evolution nur langsam verändert haben.
Mit ihrer Methode kommen die beiden Forscher zu dem Ergebnis, dass der Bakterienstamm Planctomyces älter als die thermophilen Bakterien ist. Diese Bakterien zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Chromosomen von einer Membran geschützt werden. Diese Struktur könnte ein Vorläufer des Zellkerns sein, wie ihn Tiere und Pflanzen haben.
Axel Tillemans




