Sie gebrauchen Werkzeuge, stellen sie sogar selber her und begreifen komplexe Zusammenhänge: Die Goffinkakadus (Cacatua goffiniana) erreichen ein Intelligenzniveau, das in der Tierwelt selten ist. Während andere Arten spezialisierte Anpassungen wie etwa eine lange Zunge oder einen starken Schnabel besitzen, ist das wichtigste Werkzeug der schlauen Papageienvögel ihr scharfer Verstand – ähnlich wie bei uns Menschen. Dabei zeichnet die Goffinkakadus auch ein flexibler Erfindungsgeist aus: „Vielleicht könnte ich ja dieses Stöckchen nutzen, um an mein Ziel zu kommen…“ Durch diese Fähigkeiten zur Innovation können die Vögel teils komplexe Probleme meistern, zeigen bereits viele Studien.
Die meisten Untersuchungen zu den kognitiven Leistungen der Goffinkakadus wurden jedoch an in Europa gezüchteten Tieren durchgeführt. Natürlicherweise leben die Vögel auf den kleinen, zu den Molukken gehörenden Tanimbar-Inseln Indonesiens. Es ist davon auszugehen, dass es einen gewissen Haltungseffekt bei der tierischen Intelligenz der Kakadus gibt, sagen die Forscher um Theresa Rößler von der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Es scheint möglich, dass aufgrund der Nähe zum Menschen und einer weitgehend künstlichen Umgebung eine höhere Innovationsfähigkeit entsteht.
Eine Arena mit kniffligen Aufgaben
Um den Unterschieden auf die Spur zu kommen, haben die Verhaltensforscher wilde und in Gefangenschaft gehaltenen Goffinkakadus in einer sogenannten „Innovation Arena“ antreten lassen. Es handelt sich dabei um eine halbkreisförmige Anordnung aus 20 verschiedenen „Puzzle-Boxen“. Bei jeder dieser Einheiten sind unterschiedliche Aktionen nötig, um Zugang zu einem Leckerbissen zu erhalten. Beispielsweise müssen bestimmte Elemente gedreht, gezogen oder durchgebissen werden, um zum Erfolg zu kommen. Jeder der gefiederten Kandidaten bekam bei den Versuchen eine begrenzte Zeit, um so viele Belohnungen wie möglich zu ergattern. Das jeweilige Tier durfte später dann erneut in die frisch mit Leckereien bestückte Arena. Dieselben Puzzle-Boxen waren dann aber in einer anderen Reihenfolge angeordnet. Diese Prozedur wurde fortgesetzt, bis der jeweilige Kandidat entweder alle Aufgaben gemeistert hatte oder keine neuen Lösungen mehr finden konnte.
Bei den Versuchen ließen die Forscher vorübergehend eingefangene Wildvögel aus Tanimbar und in Volierenhaltung lebende Vögel aus Österreich in einem „Fernkampf“ gegeneinander antreten. Wie sie berichten, zeichnete sich zunächst erneut ab, dass es unter den Tieren eine starke Variationsbreite der Persönlichkeiten gibt. „Wir haben festgestellt, dass einzelne Vögel entweder sehr eifrig mit den Puzzle-Boxen interagieren und die Probleme lösen wollten oder dies nur ungern taten“, sagt Co-Autorin Berenika Mioduszewska, die die Wildvögel in Indonesien testete. Dabei zeigte sich auch ein Unterschied zwischen den beiden Gruppen: „Obwohl keiner der Vögel Angst vor dem Aufbau hatte, zeigten weniger wilde als gefangen gehaltene Vögel Interesse an einer Interaktion mit der Arena“, berichtet Mioduszewska. Doch wenn einer der Vögel tatsächlich Motivation entwickelte, schnitt er nicht schlechter ab als seine Artgenossen aus der menschlichen Obhut: Sie fanden Problemlösungen im gleichen Tempo und lösten letztendlich sogar die meisten Aufgaben in der Arena, berichten die Wissenschaftler.





