Bohrung oder Erdbeben?
Was aber löste diesen Schlammausbruch aus? Darüber streiten sich Forscher bereits seit Jahren. Einige sehen die Schuld bei einer Probebohrung der indonesischen Öl- und Gasfirma Lapindo Brantas, die nur rund 150 Meter vom Schlammvulkan entfernt durchgeführt wurde. Am Tag vor der Eruption trat dort ein sogenannter “Kick” auf, ein plötzlicher Einstrom von Gas und Flüssigkeit in das Bohrloch. Dieser Einstrom könnte den Druck so stark erhöht haben, dass die Spülflüssigkeit seitlich aus dem Bohrloch austrat und die sogenannte Kaliberg Lehmformation in rund 1.500 Metern Tiefe verflüssigte. “Das Bohrloch war in 1.090 bis 2.833 Metern Tiefe nicht durch ein Rohr eingefasst”, berichten Tingay und seine Kollegen. “Dadurch war ein Flüssigkeits-Austausch mit fast der gesamten Kaliberg-Formation möglich.” Der dadurch entstandene Schlamm stand unter Druck und bahnte sich seinen Weg an die Oberfläche.
Doch es gibt auch eine Gegentheorie: ein Erdbeben der Magnitude 6,3. Dieses ereignete sich 47 Stunden vor Beginn der Eruption nahe der Stadt Yogyakarta, 250 Kilometer vom Schlammvulkan entfernt. 2013 belegten Forscher um Stephen Miller von der Universität Bonn, dass die Bebenwellen trotz der großen Entfernung eine Verflüssigung des Untergrunds hätten auslösen können. Denn über der Schlammsicht liegt eine kuppelförmige Deckschicht, die wie ein Verstärker gewirkt haben könnte. Sie erhöhte den Druck so stark, dass sich der Lehm in rund 1.275 Metern Tiefe verflüssigte und auch in das Bohrloch eindrang. Nach Ansicht dieser Forscher war der “Kick” im Bohrloch daher nicht die Ursache, sondern vielmehr eine Folge dieser Ereignisse.
Gasmessungen sprechen für Bohrunfall
Tingay und seine Kollegen präsentieren nun ihrerseits neue Indizien gegen die Erdbeben-Theorie. Denn wie sie erklären, müsste eine von seismischen Wellen verursachte Verflüssigung auch eine große Menge Gas freigesetzt haben. Sie haben daher Gasmessungen ausgewertet, die 48 Stunden vor der Eruption des Schlammvulkans und 24 Stunden danach im Bohrloch gemacht worden waren. “Dabei zeigte sich kein erhöhter Gasausstoß nach dem Erdbeben”, sagt Tingay. Zudem stammte das Gas, das in dieser Zeit austrat, nicht aus der Kaliberg-Formation, wie die chemische Zusammensetzung nahelegt. Stattdessen trat es in deutlich größerer Tiefe aus, was nach Angaben der Forscher eher für einem Zusammenhang mit der Bohrung sprechen würde. Und auch zeitlich scheinen die Werte nicht zum Erdbeben zu passen: “Die Messungen unterstreichen, dass die Aktivität im Untergrund erst begann, als sich der ‘Kick’ ereignete”, so der Forscher. “Das deutet stark darauf hin, dass diese Katastrophe durch einen Bohrunfall verursacht worden ist.”
Nach Ansicht der Wissenschaftler ist damit die Suche nach dem Auslöser der Schlammeruption beendet: “Unsere Daten unterstützen klar einen menschengemachten Auslöser und widerlegen alle existierenden Modelle eines Erdbeben-Triggers”, sagt Tingay. “Meiner Ansicht nach ist die Frage damit endgültig geklärt.” Ob allerdings Miller und seine Kollegen auch dieser Ansicht sind, bleibt abzuwarten.





