Termiten bauen Oasen des Lebens
Die Forscher haben im Rahmen ihrer Studie Felduntersuchungen in Kenia durchgeführt, sowie mathematische Modelle entwickelt, welche die Effekte von Termitenstaaten auf ihr direktes Umfeld simulieren. Vor allem dem veränderten Wasserhaushalt im Boden kommt dabei eine enorme Bedeutung zu, zeigen die Ergebnisse. Die kleinen Baumeister verändern demnach das Bodengefüge vor allem durch ihre Gänge und Materialverlagerungen. So kann Feuchtigkeit aus der Tiefe besser aufsteigen und sich im Boden halten. Darüber hinaus schaffen die Tierchen auch große Mengen Nährstoffe heran und machen sie letztlich erneut für Pflanzen zugänglich: Die Armeen der Termiten bauen Zellulose-haltiges Material in der Umgebung ab und verarbeiten es in ihrem Bau zu einer Nährmasse, auf der sie Pilze züchten, von denen sie sich wiederum ernähren. Irgendwann landen dann alle Nährstoffe im Boden und können Pflanzen das Wachstum ermöglichen.
In feuchten Zeiten ist diese günstige Wirkung der Termitenhügel oft schwer sichtbar, sagen die Forscher, erst bei zunehmender Wasserknappheit wird der Oasen-Effekt klar. Dann können die grünen Inseln den Pflanzen auch als Rückzugsgebiet dienen, um sich erneut ausbreiten zu können, wenn es wieder feuchter wird. “Selbst wenn die Bedingungen so hart werden, dass die Vegetation auch um die Hügel zusammenbricht, wächst sie dort später schneller wieder nach”, sagt Tarnita. „Solange es die Hügel gibt, hat das Ökosystem eine bessere Chance, sich zu erholen”, resümiert die Forscherin.
Große Bedeutung in Zeiten des Klimawandels
Die aktuellen Studienergebnisse basieren auf Untersuchungen von Termitenkolonien der Gattung Odontotermes. Den Forschern zufolge könnten die verschiedenen Termitenarten der Welt aber auch in anderen Trockengebieten der Erde eine ähnliche ökologische Bedeutung haben wie in Afrika. Deshalb sollte man sich intensiv mit den Winzlingen befassen, sagen Tarnita und ihre Kollegen. Denn: Regionen mit spärlichen Niederschlägen machen ungefähr 40 Prozent der gesamten Landfläche der Erde aus und bilden die Heimat von 38 Prozent der Weltbevölkerung.
Dem Ökologen Jef Huisman von der Universität Amsterdam zufolge besitzt die Studie geradezu einen Aha-Effekt: „Sie zeigt dass wir diese Ökosysteme genauer untersuchen müssen, um ihre Einflussgrößen besser zu erfassen. Erst dann können wir vorhersagen, was zu einem katastrophalen Zusammenbruch führen kann”, so Huisman. „Die Komplexität der Natur kann uns immer wieder überraschen”, betont der Ökologe.





