Zum Verhängnis werden den Schwertwalen ihr soziales Wesen und ihre Intelligenz. In freier Wildbahn leben sie in komplexen Familienverbänden, die sogar ein eigenes Vokabular entwickeln. Umso schlimmer ist es für die Tiere, wenn sie aus diesem Verbund herausgerissen und willkürlich mit anderen Orcas zusammengewürfelt werden.
Enge Becken machen die Tiere aggressiv
Hinzu kommt, dass die Gefangenschaft stark ihr natürliches Verhalten wie Schwimmen, Tauchen und Jagen einschränkt. In den engen Becken leiden die Tiere unter Reizarmut und Bewegungsmangel, und unverträgliche Tiere können sich nicht aus dem Weg gehen.
Die artwidrige Haltung und die Langeweile frustrieren die Tiere. Es ist nicht verwunderlich, dass der Stress irgendwann in Aggression umschlägt. Die Gefangenschaft macht die Orcas unberechenbar. Und wie das Beispiel von Tilikum zeigt, können sich diese Aggressionen auch gegen Menschen richten.
Wie verheerend die Folgen sind, zeigt “Blackfish” eindringlich. Der Film zeichnet Tilikums Leidensweg nach, von seinem Fang 1983 über sein tristes Dasein in abgedunkelten Tanks im kanadischen Sealand bis hin zu seiner jetzigen Funktion als Show-Wal und Samenspender in SeaWorld. Es ist ein Leichtes für den Zuschauer nachzuvollziehen, wie traumatisiert dieses Tier ist.
1991 ertränkt Tilikum im kanadischen Sealand offenbar gemeinsam mit zwei Artgenossen die Trainerin Keltie Byrne. Wenig später wird das Tier an SeaWorld verkauft. 1999 treibt im Becken die Leiche eines Besuchers, der sich über Nacht dort hatte einsperren lassen. Der Körper wies zahlreiche Verletzungen auf. Offizielle Todesursache war Ertrinken. Im Februar 2010 schließlich packte Tilikum die erfahrene Trainerin Dawn Brancheau und zog sie unter Wasser. Im Autopsie-Bericht werden zahlreiche Verletzungen aufgezählt, darunter Genick-, Rippen- und Kieferbruch sowie zahlreiche Fleischwunden.
Fahrlässig und nicht zu verantworten
In den Profilakten des Orcas erklärt SeaWorld im Juni 2010 den Todesfall von 1991 als Unfall (“accidental drowning”). Zum Tod der eigenen Trainerin heißt es dort lapidar: “Schnappte Pferdeschwanz, zog und hielt Trainer unter Wasser, zog Trainer.” Dass die Trainerin starb, geht aus der Beschreibung nicht hervor. Gerade diese Tierakten sind für die Trainer eine wichtige Informationsquelle, um ihre Risiken im Umgang mit den Orcas einzuschätzen. Dass SeaWorld die Todesfälle verharmlost, ist fahrlässig und unverantwortlich.




finarien in der EU ergreifen die Chance auf einen Wildfang, wenn sie sich ergibt: 2010 wurde in der Nordsee ein junges abgemagertes Orca-Weibchen entdeckt und zwischenzeitlich im Delfinarium Harderwijk in Holland untergebracht. Doch statt “Morgan” aufzupäppeln und schnellstmöglich wieder auszusetzen, kam sie nach einem Rechtsstreit in den Loro Parque nach Spanien, der von dem Deutschen Wolfgang Kießling betrieben wird. Im Loro Parque hat die Orca-Forscherin Ingrid Visser häufige, teils schwere Aggressionen der anderen Schwertwale gegen den Neuzugang dokumentiert, darunter Bisswunden und Kratzer. Außerdem fand sie schwere Verhaltensanomalien bei Morgan.
