Werden Impfstoffe in einer Art Sammelimpfung miteinander kombiniert, wirken sie schlechter als einzeln verabreicht. Das konnten britische Forscher in einer zwei Jahre dauernden Studie mit über 200 Kindern nachweisen. Die Wissenschaftler untersuchten einen Kombinationsimpfstoff, der gleichzeitig vor Pneumokokken und Meningokokken, den Auslösern von Lungen- und Hirnhautentzündung, schützen soll. Den Kindern bleibt zwar durch die Kombination eine Vielzahl von Einzelimpfungen erspart, letztere sind jedoch eindeutig wirkungsvoller.
US-amerikanische Kinder erhalten im Alter zwischen zwei und 18 Monaten bis zu 20 Impfungen, die sie vor Erkrankungen wie Hepatitis B, Diphterie, Tetanus, Kinderlähmung und Röteln schützen sollen. Experten empfehlen nun zudem noch eine Impfung gegen Meningokokken, die beispielsweise in England seit 1999 zu den Routineimpfungen gehört. Seitdem ist dort die Zahl der Meningokokken-Infektionen, die Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen hervorrufen können, um 90 Prozent zurückgegangen. Diese Zusatzimpfung würde allerdings weitere drei bis vier Impfbehandlungen erfordern. Eine sinnvolle Kombination von Impfstoffen könnte daher helfen, den straffen Impfplan zu entzerren und Kosten zu senken.
Um die Effektivität solcher Kombinationsimpfungen zu testen, verabreichte das Forscherteam um Jim Buttery 120 gesunden Kindern im Alter zwischen sieben und elf Wochen einen Kombinationsimpfstoff gegen Pneumokokken und Meningokokken. Weitere 120 Kinder wurden mit einem Einzelimpfstoff gegen Meningokokken behandelt. Gleichzeitig bekamen alle Kinder die üblichen Routineimpfungen, beispielsweise gegen Diphterie, Tetanus, Keuchhusten und Grippe, und wurden im Lauf der folgenden Monate regelmäßig untersucht.
Beide Impfmethoden waren gut verträglich und hatten keine schweren Nebenwirkungen, berichten die Forscher. Doch das Immunsystem der Kinder, welche die Kombination erhalten hatten, reagierte auf die Impfung in geringerem Ausmaß, erklärt Buttery. Das erkannten die Wissenschaftler daran, dass weniger Antikörper gegen Meningokokken im Blut vorhanden waren. Die betroffenen Kinder waren daher schlechter gegen die gefährlichen Bakterien geschützt als andere, die den Einzelimpfstoff erhalten hatten. Zugleich hatten auch die gleichzeitig verabreichten Routineimpfstoffe nicht die gewohnte Wirkung.
Diese Ergebnisse machen deutlich, dass Impfstoffe durchaus verschieden wirken können ? je nachdem, ob sie einzeln oder in Kombination mit anderen verabreicht werden. Im vorliegenden Fall scheint der Kombinationsimpfstoff keine sinnvolle Alternative zur Individualimpfung zu sein, schreiben die Wissenschaftler.
Jim Buttery ( Universität Oxford) et al: JAMA, Bd. 291, S. 1751
ddp/wissenschaft.de ? Stefanie Offermann





