Weltweit erstmals haben US-Mediziner am Dienstag einem Patienten ein mechanisches Herz eingepflanzt, das dessen eigenes Organ völlig ersetzt. Das etwa ein Kilo schwere Gerät mit der Bezeichnung AbioCor arbeitet eigenständig und benötigt keine Drähte und Schläuche nach außen. Wie die Klinik in Louisville/Kentucky mitteilte, geht es dem Patienten den Umständen entsprechend gut. Bereits im Herbst soll das Kunstherz auch in Deutschland zum Einsatz kommen.
Die Blutpumpe besteht aus Titan und Kunststoff, hat die Größe einer Männerfaust und ist über vier Schläuche mit den Blutgefäßen des Patienten verbunden. Weil sie keinerlei Verbindung zur Körperoberfläche hat, kann ihr Träger ungehindert baden oder umhergehen. Elektrische Energie erhält der Apparat durch die Haut über eine Spule, die von einer am Gürtel getragenen Batterie gespeist wird.
Nach Auflagen der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA dürfen vorerst nur fünf Transplantationen vorgenommen werden, und zwar an Patienten, die nicht mehr als 30 Tage Lebenserwartung haben. Das revolutionäre Kunstherz wird die Lebensspanne der ersten Patienten voraussichtlich nur auf 60 Tage verlängern. Doch Mediziner hoffen, dass es Herzkranken langfristig erlauben wird, ein weitgehend normales Leben zu führen.
Wie eine Sprecherin des nordrhein-westfälischen Herzzentrums Bad Oeynhausen mitteilte, soll AbioCor dort bereits im Herbst einem todkranken Patienten eingepflanzt werden. Auch Mediziner am Deutschen Herzzentrum in Berlin bereiten sich darauf vor, es einzusetzen. Allerdings sei das System nur für einen sehr geringen Teil der Patienten geeignet, erläuterte dessen Ärztlicher Leiter, Professor Roland Hetzer. In Frage kämen Kranke, bei denen die rechte Herzkammer sehr geschädigt sei oder die einen großen Lungenwiderstand hätten, so dass das Blut nur schwer in die Lunge gepumpt werden könne.
Frank Eckhardt





