Wenn es den Meeren gut geht, geht es auch dem Menschen gut ? lautet die Annahme eines internationalen Forscherteams. Gemeinsam haben sie einen Index entwickelt, der nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische, soziale und politische Aspekte miteinbezieht.
Bislang konzentrierten sich viele Untersuchungen zum Zustand der Meere auf einen Aspekt oder gar nur eine Art. Das Wissenschaftlerteam um Benjamin Halpern von der University of California in Santa Barbara setzte sich zum Ziel, ein umfassenderes Bild zu erstellen. Vor einigen Jahren leitete der Biologe Untersuchungen über die Umweltbeeinträchtigungen durch den Menschen, die sich auf das Meer auswirken. ?Das sind wichtige Informationen, aber sie reichen nicht aus. Um das große Ganze zu verstehen, ist es notwendig, das ozeanische Ökosystem zu erhalten. Und wir können nur beeinflussen, was wir belegen können?, erklärt Halpern seinen neuen, ganzheitlichen Ansatz. Dabei bezieht er den Menschen nicht nur als Verursacher ein: ?Wir neigen dazu, zu vergessen, dass der Mensch Teil des Ökosystems ist. Wir sind aber nicht nur Teil der Umweltprobleme, sondern auch Teil ihrer Lösung?, so der Biologe weiter.
Entsprechend trug er gemeinsam mit über 30 anderen Wissenschaftlern Daten zu Wasserqualität, Biodiversität, Verfügbarkeit von Nahrung, CO2-Speicherkapazität, Einzigartigkeit der Region und Küstenschutz zusammen, aber auch zu Küstenbewirtschaftung, der Möglichkeit zur lokalen Fischerei, Rohstoffe sowie Tourismus und Erholung. Für jeden dieser zehn Faktoren vergaben die Forscher 0 bis maximal 100 Punkte.
Im besten Zustand befindet sich demnach das Küstengebiet um die Jarvisinsel im Südpazifik, die mitten in einem Korallenriff liegt. Für Deutschland ermittelten die Wissenschaftler einen Wert von 73 Punkten. Am Ende der Statistik steht Sierra Leone mit durchschnittlich 36 Punkten. Insgesamt schnitten die meisten weit entwickelten Länder besser ab als weniger entwickelte. Halpern begründet das mit einer effektiveren Wirtschaft und umfassenderen Umweltbestimmungen. Nur 5 Prozent aller Länder mit Meerzugang lagen über 70 Punkten, 32 Prozent unter 50 ? Tendenz weiter sinkend.
?Das bedeutet aber nicht, dass wir an dieser Aufgabe scheitern?, sagt Karen McLeod von der Oregon State University in Oregon. ?Es zeigt vielmehr den großen Handlungsspielraum, liefert Ansätze, in welchen Bereichen sich gezielte Maßnahmen lohnen und gibt uns einen konkreten Wert, an dem wir über die Jahre arbeiten können.?
Und tatsächlich gibt es auch eine positive Überraschung: Da nur wenige Meerestiere vom Aussterben bedroht sind, waren die Werte für Biodiversität für alle Nationen relativ hoch. Besorgniserregend sind dagegen der Zustand der Fischbestände sowie der von Mangrovenwäldern, Salzmarschen, Korallenriffen und Seegraswiesen. In diesen Bereichen sehen die Forscher die wichtigsten Ansatzpunkte, den Index der Meeresgesundheit zu erhöhen.
Benjamin Halpern (University of California, Santa Barbara) et al.: Nature, doi: 10.1038/nature11397 © wissenschaft.de ? Marion Martin





