In den vergangenen zwei Wochen haben Delegierte aus 197 Ländern auf der UN-Weltklimakonferenz COP28 um weitere Maßnahmen gegen die Erderwärmung gerungen. Die Einigung kam mit einem Tag Verspätung, am 13. Dezember präsentierten die Teilnehmerstaaten schließlich ihren Abschlussbericht. Darin haben die Länder ihre zuvor versprochene globale Bestandsaufnahme erfüllt, wo die Welt beim Klimaschutz aktuell steht.
Langfristiges Ziel der Weltgemeinschaft ist es, bis zum Jahr 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Das heißt, nicht mehr Treibhausgase auszustoßen, als aus der Atmosphäre entnommen werden. Im Abschlussdokument der COP28 erkennen die Staaten nun an, dass dafür weitere Maßnahmen als aktuell geplant notwendig sind. Die Länder hielten schriftlich fest, dass eine Verringerung der Emissionen um 43 Prozent bis 2030 und um 60 Prozent bis 2035 nötig ist, um die durchschnittliche globale Erwärmung noch auf 1,5 Grad zu beschränken.
Wende von fossilen Energieträgern hin zu Erneuerbaren
Die heikelste Frage während des Klimagipfels war, wie deutlich die Teilnehmer eine Abkehr von fossilen Brennstoffen beschließen würden. Im Abschlussdokument formulierten sie letztlich einen „Übergang“. Weiter nutzbar bleiben damit „kohlenstoffarme Übergangsbrennstoffe“, die vergleichsweise wenig Kohlendioxid-Emissionen verursachen, zum Beispiel Flüssigerdgas, Wasserstoff und E-Fuels sowie die Kernkraft. Die Formulierung ermöglicht auch, weiterhin Kohlendioxid aus Öl und Gas freizusetzen, sofern dieses CO2 aus Abgasen und der Atmosphäre wieder abgetrennt und gespeichert wird. Die sogenannten CCS-Technologien, die eine solche CO2-Capture ermöglichen, kompensieren jedoch derzeit nur einen Bruchteil der Emissionen.
Die bereits beschlossene Abkehr von der Kohle soll laut COP28-Beschluss hingegen zusätzlich beschleunigt werden. Damit steht in der Abschlusserklärung erstmals wörtlich die angestrebte Abkehr von allen fossilen Energieträgern: Öl, Gas und Kohle. Das verdeutlicht, dass die Weltgemeinschaft sich auf dieses generelle Ziel einigen konnte. Die finale Formulierung lässt den Ländern allerdings Interpretations- und Handlungsspielraum, wie sie die gesteckten Ziele erreichen.
Um die fossilen Energieträger zu ersetzen, sollen zudem Erneuerbare zeitnah massiv ausgebaut werden. Die Delegierten beschlossen, die derzeitige Produktion von Erneuerbaren Energien bis 2030 zu verdreifachen und ihre Energieeffizienz zu verdoppeln. Ebenfalls in die Abschlusserklärung geschafft hat es der Beschluss, bestehende Subventionen für fossile Energien abzubauen und Emissionen aus dem Straßenverkehr zu verringern. „Das wird unsere Welt nachhaltig verändern“, sagt der Klimawissenschaftler Carl-Friedrich Schleussner von der Humboldt-Universität zu Berlin. Der Klimaökonom Reimund Schwarze vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig kritisiert jedoch, dass zwar viel über Ambitionen, aber zu wenig über die Umsetzung gesprochen wurde. „Nur wenn der Gipfel auch zu einer schonungslosen Analyse des weitgehenden Nichtstuns gekommen wäre, wäre diese COP ein Erfolg gewesen“, sagt er.





