Lange galten sie als simple Wesen – doch in den letzten Jahren hat sich dieses Image der Insekten deutlich gewandelt. Zahlreiche Studien haben verdeutlicht, zu welch komplexen kognitiven Leistungen einige Vertreter dieser Tiergruppe fähig sind: Sie können lernen, Zusammenhänge zu erfassen, und ihr Verhalten in komplexer Weise an Erfahrungen anpassen. Diese Fähigkeiten basieren auf der Leistung von Gehirnen, die Einheiten umfassen, die mit den höheren Hirnregionen der Säugetiere und Vögel vergleichbar sind. Zu den Merkmalen der „Denkorgane“ der Insekten gibt es allerdings noch viele offene Fragen.
So ist etwa unklar, inwieweit bestimmte Regeln auch für die Insektengehirne gelten, die sich bei den Wirbeltieren abzeichnen. Man geht dabei etwa davon aus, dass eine soziale Lebensweise meist mit der Entwicklung von großen Gehirnen verbunden ist. Das Paradebeispiel ist dabei der Mensch. Ebenso scheinen bei unserer und der Lebensweise anderer Wirbeltiere weitere kognitive Anforderungen mit verhältnismäßig großen Gehirnen verknüpft zu sein. Dabei zeichnet sich etwa ab, dass Arten mit einem breiten Nahrungsspektrum eher mehr im Köpfchen haben als solche, die nur auf bestimmte Ressourcen spezialisiert sind. Ein Grund dafür können die größeren Herausforderungen sein, die beim Umgang mit verschiedenen Nahrungsquellen auftreten.
Bienenhirne im Vergleich
Vor diesem Hintergrund haben sich die Forscher um Ferran Sayol von der Universität von Göteborg nun die Zusammenhänge zwischen Gehirngrößen und Lebensweisen bei einer prominenten Insektenfamilie angesehen: den Bienen (Apiformes). Das Interessante ist, dass es unter den weltweit tausenden von Arten soziale Bienen wie die Vertreterinnen der Honigbienen und Hummeln gibt, aber auch viele solitär lebende Spezies. Darüber hinaus umfasst diese Insektengruppe sowohl Generalisten als auch Spezialisten: Manche besuchen nur die Blüten bestimmter Pflanzenarten, andere zeigen sich hingegen nicht wählerisch. Im Rahmen ihrer Studie haben die Wissenschaftler nun die Gehirngrößen sowie die Körpermerkmale und Lebensweisen von 93 Bienenarten systematisch erfasst. Diese Daten kombinierten sie anschließend, um mögliche Prinzipien bei der Varianz der Gehirngrößen aufzudecken.
Wie sie berichten, wurde zunächst eine grundlegende Gemeinsamkeit mit den Wirbeltieren deutlich: Größere Arten haben auch größere Gehirne. Worauf es ankommt, ist offenbar auch bei den Bienen das Verhältnis. So rechneten die Forscher diesen Faktor aus den Daten heraus. Anschließend zeichneten sich die Unterschiede in der relativen Gehirngröße zwischen den untersuchten Arten ab. Die Vergleiche mit den Lebensweisen der unterschiedlichen Arten ergaben dann: Offenbar ist das Leben im Sozialverband bei den Bienen eher nicht mit einem besonders großen Gehirn verbunden. Auch die Generalisten unter diesen Insekten haben nicht auffallend viel im Köpfchen. Es zeichnete sich hingegen ab, dass solitär lebende Arten, die auf bestimmte Nahrungsquellen spezialisiert sind, vergleichsweise große relative Gehirnmassen aufweisen.





