natur: Herr Stoll, an Ihrem Institut für Allgemeinen und Ökologischen Weinbau forschen Sie über die Folgen des Klimawandels auf den Weinbau. Welche Einflüsse konnten Sie bislang feststellen?
Wenn man über den Klimawandel redet, sind drei Faktoren wichtig: Der Anstieg der Temperatur, die Verteilung der Niederschläge und die Konzentrationsänderung der klimarelevanten Gase. Der Temperaturanstieg führt in der Landwirtschaft tendenziell zu einer Verfrühung in der Vegetation. Das heißt, wärmere Winter führen zu einem früheren Austrieb, wodurch sich die gesamte Entwicklung, also auch die Reife, zwei bis drei Wochen nach vorne schiebt. Das ist für den Weinbau insofern dramatisch, als dass das Risiko einer Schädigung durch Spätfröste sehr groß ist. Dagegen herrschen während der Reifezeit deutlich wärmere Temperaturen, weshalb mehr Zucker in die Trauben eingelagert wird. Dadurch erhöht sich das Risiko eines Sekundärbefalls durch Schaderreger und die Weinlese muss schneller erfolgen.
Wie steht es mit der Verteilung der Niederschläge? Wie wirkt sich das auf den Weinbau aus?
Wir gehen davon aus, dass sich nicht die absolute Niederschlagsmenge reduziert, sondern sich die Niederschlagsverteilung verändert. Für den Weinbau bedeutet das, dass weniger Regen in den Sommermonaten zu mehr Trockenstresstagen führt. Indirekt bewirkt dies eine Qualitätsveränderung des Weines. Vereinfacht heißt das: Weniger Wasser, weniger Wachstum, eine andere Belichtung und ein anderes Kleinklima am Stock führen zu einer Veränderung der Inhaltsstoffe. Bei roten Rebsorten wirkt sich das positiv auf den Geschmack aus, bei weißen Rebsorten, wie dem Riesling, dagegen eher negativ.
Fehlt noch der dritte Faktor, die klimarelevanten Gase.
Bei den klimarelevanten Gasen ist das Kohlenstoffdioxid am wichtigsten. Bis 2050 ist ein Konzentrationsanstieg von circa 20 Prozent prognostiziert. Andere relevante Gase werden sogar von der Landwirtschaft indirekt selbst produziert. Lachgase oder Methan sind wesentlich reaktiver als CO 2. Die Frage ist jetzt, welche Auswirkungen dies auf die Reben hat und daran forschen wir.
Welche Auswirkungen wird der Klimawandel noch haben?
Dadurch dass mehr Starkregen fallen wird, kann es an den Hanglagen des Weinbaus zu Erosion kommen. Der Boden kann nur eine gewisse Kapazität Wasser aufnehmen. Wenn sehr viel Niederschlag auf einmal fällt, kommt es zu Hangrutschungen. Zukünftig gilt es, dies zu vermeiden. Begrünung ist eine Möglichkeit, die Kapazität des Bodens zu vergrößern. Gleichzeitig ist eine Begrünungspflanze aber eine gewisse Konkurrenz für die Weinrebe, da auch sie Wasser benötigt.





“Main Rheines Klima”
