Den Ergebnissen zufolge spiegelt sich der Effekt des Namens in den Todesstatistiken nicht etwa subtil wider, sondern erstaunlich drastisch: Würde man ein und denselben Sturm von „Charly” in „Eloise” umbenennen, wären dreimal höhere Opferzahlen die Folge, ergaben die Modellberechnungen der Forscher. Um ihre Theorie zu untermauern, dass dahinter eine Unterschätzung des Gefahrenpotenzials durch den femininen Namen steckt, führten die Forscher Tests mit 346 Probanden durch. In einem der Versuche sollten die Frauen und Männer rein gefühlsmäßig Voraussagen, wie schwer zukünftige Stürme ausfallen würden. Die Forscher nutzten dabei Namen aus der Liste für die Hurrikan-Saison 2014. Für die möglichen Stürme in diesem Jahr sind die folgenden männlichen und weiblichen Namen vorgesehen: Arthur, Cristobal, Omar, Kyle, Marco sowie Bertha, Dolly, Fay, Laura und Hanna.
„Dolly” kann doch nicht so schlimm sein
Die Auswertungen ergaben: Die Probanden sagten für die feminin benannten Stürme deutlich geringere Stärken voraus. Dabei zeichnete sich auch eine Tendenz ab: Je femininer der weibliche Name, desto geringer die vorausgesagte Intensität. Von „Dolly” erwarteten die Probanden durchschnittlich das geringste Gefahrenpotenzial. Weitere Tests der Forscher unterstrichen diese Ergebnisse zusätzlich. Sollten die Probanden beispielsweise ihre Reaktionen in einem Szenario beschreiben, bei dem ihnen der Sturm „Victor” drohte, äußerten sie sich anders als wenn „Victoria” heranrückte: Aus den Auswertungen ging hervor, dass sie sich bei dem weiblichen Sturm vergleichsweise später in Sicherheit bringen würden. Bei allen Tests zeigten sowohl die männlichen als auch die weiblichen Probanden diese Tendenzen.
„Bei der Beurteilung der Intensität von Stürmen, scheinen Menschen ihre grundlegenden Vorstellungen vom Verhalten von Männern und Frauen einzubeziehen”, sagt Co-Autorin Sharon Shavitt. „Deshalb erscheinen ihnen Hurrikans mit besonders femininen Namen als sanfter und weniger aggressiv. Diese stereotypen Vorstellungen haben aber nicht unbedingt etwas mit Geringschätzung gegenüber Frauen zu tun – sie werden nur als freundlicher und weniger aggressiv als Männer wahrgenommen”, sagt die Forscherin.
Die Absicht hinter der Bezeichnung von Hurrikans mit menschlichen Namen war, sie der Bevölkerung besser einzuprägen und dadurch intensivere Vorkehrungsmaßnahmen anzuregen. Die Namen sollten beispielsweise auch die Berichterstattung in den Medien vereinfachen. Es ist dann einfach von „Dolly” oder „Arthur” die Rede und in Nebensätzen spricht man von „sie” oder „er”. Doch die Ergebnisse der Forscher legen nun nahe, dass diese geschlechtsspezifische Zuordnung Menschen das Leben kosten kann. Deshalb sollte die Benennung der Stürme neu überdacht werden, sagen die Forscher.





