Hornmilben leben zu Hunderttausenden auf jedem Quadratmeter Waldboden. Die nur 0,2 bis 1 Millimeter großen Spinnentiere sind im Herbst maßgeblich am Abbau des heruntergefallenen Laubs beteiligt. Was den Wissenschaftlern bisher ein Rätsel war: Die Winzlinge müssten allein schon wegen ihres zahlreichen Vorkommens eine ideale Beute für Räuber sein. Sind sie aber nicht – die Hornmilbe hat so gut wie keine Fressfeinde. Wie sich die Tiere gegen Angreifer wehren, hat jetzt ein internationales Forscherteam um den Zoologen Michael Heethoff von der Universität Tübingen beobachtet.
Ihr Experiment erinnert an den Kampf zwischen David und Goliath. Heethoff versuchte, einen relativ großen räuberischen Käfer mit Hornmilben zu füttern. Doch obwohl das Insekt 35 Mal schwerer war als sein vermeintliches Opfer, konnte es die Milbe nicht überwältigen oder gar fressen. „Das ist vergleichbar mit einem Kaninchen”, schmunzelt Heethoff, „das einen Tiger in die Flucht schlägt.” Erst zwei Drüsen am Rücken der Hornmilben brachten die Forscher auf die richtige Spur. Deren Existenz war zwar schon lange bekannt, nicht aber ihre Funktion. Wie die Tübinger Biologen herausfanden, tritt aus diesen Drüsen ein Chemiecocktail aus, mit dem sich die Tiere verteidigen. Wurden die Drüsen künstlich entleert, hatten die Milben gegen den Käfer keine Chance mehr.





