Ruhig und kraftvoll zieht Srey Mom das schmale Paddel durch das dunkle Wasser, in dem sich der blaue Himmel spiegelt. Langsam tritt der Verkehrslärm des vierspurigen Huen Sen Boulevards in den Hintergrund. Nur noch das Eintauchen des Paddels und das Glucksen des Wassers unter dem Boot sind zu hören, selten unterbrochen vom Kreischen eines Reihers oder dem Quaken einer Kröte. Langsam gleitet das Boot vorbei an langen Reihen mit grünem Wassergemüse. An Tauen befestigt wachsen und gedeihen „Morning Glory“ genannter Spinat, Lotuswurzeln oder Vietnamesischer Wasserfenchel. Zwischen den Farmen hocken Fischer mit Netzen auf wackeligen, aus Holz und Bambus gezimmerten hohen Podesten. Geduldig warten sie auf einen Fang. Kaum zu glauben, dass das der Süden von Phnom Penh ist. Doch das Zentrum der Metropole Kambodschas ist nicht weit, wovon die Skyscraper am Horizont zeugen.
Srey Mom hat dafür keinen Blick. Sie schaut auf das Wasser und auf ihr Paddel. Trotz der Hitze trägt sie ein langärmeliges T-Shirt, eine gehäkelte Mütze und ein um den Kopf gewickeltes Tuch, um sich vor der Sonne zu schützen. „Haltet Euch bloß gut fest, der See ist hier sieben Meter tief“, ruft Srey Mom und grinst. Das winzige Boot ist kaum hüftbreit und läuft zum Bug spitz zu. Seine dünnen und morschen Bretter scheinen nur noch von Glasfasermatten und Kleber zusammengehalten zu werden.





