Ruhig und kraftvoll zieht Srey Mom das schmale Paddel durch das dunkle Wasser, in dem sich der blaue Himmel spiegelt. Langsam tritt der Verkehrslärm des vierspurigen Huen Sen Boulevards in den Hintergrund. Nur noch das Eintauchen des Paddels und das Glucksen des Wassers unter dem Boot sind zu hören, selten unterbrochen vom Kreischen eines Reihers oder dem Quaken einer Kröte. Langsam gleitet das Boot vorbei an langen Reihen mit grünem Wassergemüse. An Tauen befestigt wachsen und gedeihen „Morning Glory“ genannter Spinat, Lotuswurzeln oder Vietnamesischer Wasserfenchel. Zwischen den Farmen hocken Fischer mit Netzen auf wackeligen, aus Holz und Bambus gezimmerten hohen Podesten. Geduldig warten sie auf einen Fang. Kaum zu glauben, dass das der Süden von Phnom Penh ist. Doch das Zentrum der Metropole Kambodschas ist nicht weit, wovon die Skyscraper am Horizont zeugen.
Srey Mom hat dafür keinen Blick. Sie schaut auf das Wasser und auf ihr Paddel. Trotz der Hitze trägt sie ein langärmeliges T-Shirt, eine gehäkelte Mütze und ein um den Kopf gewickeltes Tuch, um sich vor der Sonne zu schützen. „Haltet Euch bloß gut fest, der See ist hier sieben Meter tief“, ruft Srey Mom und grinst. Das winzige Boot ist kaum hüftbreit und läuft zum Bug spitz zu. Seine dünnen und morschen Bretter scheinen nur noch von Glasfasermatten und Kleber zusammengehalten zu werden.
Gemüseernte auf dem Wasser
Dennoch trägt das Boot Srey Mom jeden Tag zur Arbeit auf dem See. Die Farmerin bewegt sich bewundernswert sicher auf dieser brüchigen Nussschale, deren Heck sich bedrohlich aus dem Wasser hebt, wenn Srey Mom sich auf den Bug hockt. In dieser Haltung bindet sie Stecklinge an Taue, schneidet Pflanzen zurück und entfernt ungewünschtes Beikraut. „Das Gemüse wächst sehr schnell“, sagt Srey Mom zufrieden. Nur 20 Tage nach dem Anbinden der Stecklinge kann sie es schon wieder ernten. Und das mehrmals im Jahr. Zum Beispiel die Wassermimosen mit den gefiederten Blättern und den weißen länglichen Knollen, die sie gerade abschneidet, zu Bündeln bindet und im Boot stapelt. Das frisch geerntete Wassergemüse verkauft sich gut. Es darf bei fast keinem Khmer-Gericht fehlen. Händler holen es mit Transport-Tuktuks am Ufer ab. Manche Farmerinnen und Farmer fahren aber auch selbst auf einen der zahlreichen Märkte in der Hauptstadt, um ihre Ernte zu einem besseren Preis zu verkaufen.
Bereits als Kind hat Srey Mom auf Wasserfarmen gearbeitet. Zeit für die Schule blieb da kaum. Ihre Eltern, Reisbauern aus der Provinz, waren an den Boeung Tompun gezogen, um Gemüse für die wachsende Großstadt anzubauen. Ein attraktiver Markt mit guter Nachfrage. Als junge Frau startete Srey Mom dann mit ihrem Mann eine eigene Farm. „Die Farm hat unsere vierköpfige Familie sowie die Eltern, die später wieder zurück aufs Land gegangen sind, gut ernährt“, sagt sie stolz.





