Mit ihrem gezackten Rückenkamm wirken sie wie kleine Drachen – neben diesem Merkmal der Männchen macht den Nördlichen Kammmolch (Triturus cristatus) auch die Länge von bis zu 18 Zentimetern zu einer der spektakulärsten Amphibienarten vor unserer Haustür. Die zu den Salamandern gehörenden Lurche kommen in und um stehende Kleingewässer in fast ganz Mitteleuropa vor. Wie für Amphibien typisch, wechseln sie dort zwischen Wasser und Land: Erwachsene Kammmolche sind oft in Teichen unterwegs, jagen aber auch an Land und überwintern dort meist unter Steinen oder Moos. Für die Fortpflanzung sind sie allerdings aufs Wasser angewiesen und finden sich deshalb zur Paarungszeit in den Teichen ein.
Kammmolche sind in Deutschland streng geschützt, denn vielerorts weisen ihre Populationen einen kritischen Erhaltungszustand auf. Wie andere Amphibienarten leiden sie vor allem unter der durch den Menschen verursachten Veränderung ihrer Lebensräume. Dem Kammmolch hat nun ein Forscherteam um Sebastian Steinfartz von der Universität Leipzig eine Studie gewidmet. „Um den aktuellen besorgniserregenden Rückgang von Amphibien entgegenzuwirken und geeignete Schutzmaßnahmen zu entwickeln, ist es besonders wichtig, das Verhalten von Amphibienarten in ihren natürlichen Lebensräumen besser zu verstehen“, sagt Steinfartz. Konkret befassten sich die Wissenschaftler mit der Untersuchung der individuellen Wanderbewegungen von Kammmolchen in ihren lokalen Verbreitungsgebieten.
Räumlicher Dynamik auf der Spur
In ihrem Fokus stand dabei ein etwa 7,7 Quadratkilometer großes Areal in der Nähe von Hamburg, in dem sich insgesamt 33 Kleingewässer befinden, in denen Kammmolche vorkommen. Für die Studie führten die Forscher genetische Untersuchungen durch und lernten viele Tiere gleichsam persönlich kennen: Kammmolche zeichnen sich durch eine auffällig gelb-orange gefleckte Bauchzeichnung aus, die für jedes Individuum einmalig ist und daher wie ein Fingerabdruck zur Unterscheidung genutzt werden kann. Im Verlauf von drei Jahren sammelten die Forscher durch wiederholtes Einfangen und Wiederaussetzen in den verschiedenen Teichen Daten von 5564 Individuen. Zudem erfassten sie die ökologischen Merkmale der jeweiligen Fundorte.
So konnte das Team zeigen, dass die bisher als eher ortstreu betrachteten Molche deutlich häufiger ihr Fortpflanzungsgewässer wechseln als bisher angenommen. „Wir waren sehr überrascht, wie viele Individuen in den drei Jahren unserer Studie in verschiedenen Gewässern gefangen werden konnten und dass die Tiere, die vermeintlich nur sehr kurze Distanzen überwinden können, dabei nicht unbedingt das räumlich naheliegendste Gewässer aufsuchten“, berichtet Erstautorin Bianca Unglau. Manche Tiere legten dazu bis zu einem Kilometer zurück.





