Wir brauchen Wasser längst nicht nur zum Trinken. Ohne Süßwasser könnte auch kein Lebensmittel mehr angebaut, kein Kleidungsstück mehr produziert und keine Energie mehr erzeugt werden. Die Flüsse selbst dienen uns als Transportwege, Kohlenstoffspeicher, Touristenattraktionen und Hotspots biologischer Vielfalt. Doch weil Wasser in unserer Gesellschaft wie selbstverständlich aus dem Hahn fließt, vergessen wir oft, wie wertvoll es tatsächlich ist. Der World Wide Fund for Nature (WWF) spricht in diesem Zusammenhang auch von „Wasserblindheit“.
Dem Wert des Wassers auf der Spur
Um dieser gedanklichen Entkopplung von der meist genutzten Ressource der Welt entgegenzuwirken, haben Forschende in einer vom WWF beauftragten Studie nun erstmals ermittelt, welchen konkreten Geldbetrag Wasser im Jahr 2021 wert war. Dafür unterteilten sie den Nutzen des Wassers zunächst in direkte und indirekte Leistungen. Zu Ersterem zählten sie unter anderem jene Wassermengen, die wir tagtäglich im Haushalt verbrauchen oder die Landwirtschaft und Industrie benötigen, um damit Felder zu bewässern beziehungsweise Produkte herzustellen. Auch die Gewinne, die Tourismus, Transportschifffahrt und Fischerei jedes Jahr mithilfe des Wassers erzielen, flossen in diese Kategorie mit ein.
Zu den indirekten Nutzen, die uns Wasser und Süßwasserökosysteme bieten, gehören abstraktere Leistungen wie Biodiversität, Kohlenstoffspeicherung, fruchtbare Böden oder der Schutz vor Extremwettern wie Stürmen und Dürren. Um diese Leistungen mit einem konkreten Geldbetrag zu beziffern, konnten die Forschenden anders als in der ersten Kategorie zwar nicht darauf zurückgreifen, wie viel Geld das weltweite Wasser uns einbringt, dafür aber, wieviel es uns spart. Zum Beispiel: Wie hoch wären die jährlichen Unwetterschäden ohne intakte Süßwasserökosysteme? Wie viel würde es kosten, den Boden künstlich zu düngen? Wie hoch wären die Kosten für den CO2-Ausstoß, wenn die Flüsse und Seen der Welt auf einmal keinen Kohlenstoff mehr bänden?
Weltweites Wasser ist 55 Billionen Euro wert – und bedroht
Das Ergebnis: Alle Leistungen, die Wasser uns direkt und indirekt erbringt, waren im Jahr 2021 zusammengerechnet 55 Billionen Euro wert, wie die Forschenden berichten. Das entspricht 60 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts und verdeutlicht, wie stark unterbewertet die Ressource nach wie vor in vielen Köpfen ist. Das könnte allerdings auch damit zusammenhängen, dass der Anteil des direkt erkennbaren wirtschaftlichen Nutzens von Wasser mit 7,09 Billionen Euro vergleichsweise gering ausfällt. Die abstrakteren Leistungen von Wasser, die wir in unserem Alltag kaum wahrnehmen, brachten es 2021 hingegen auf circa 47 Billionen Euro.





