Menschen verwenden unterschiedliche Strategien, um ihre Stimme lauter klingen zu lassen: Sie können den Schalldruck beim Sprechen durch einen tiefen Atemzug, durch eine verstärkte Anspannung der Muskeln des Atmungssystems oder durch eine Kombination beider Mechanismen erhöhen. Das haben amerikanische Forscher bei einer Studie mit 30 Freiwilligen entdeckt. Welche Strategie angewendet wird, ist dabei keine bewusste Entscheidung des Sprechers, sondern wird unbewusst an die äußeren Umstände angepasst.
Die Forscher baten ihre Probanden, verschiedene kurze und lange Sätze in unterschiedlichen Lautstärken auszusprechen: normale Sprechlautstärke, doppelt so laut wie die normale Lautstärke und um einen bestimmten Wert höher als normal, was die Teilnehmer an einem Messgerät kontrollieren konnten. Im letzten Test erzeugten die Wissenschaftler zusätzliche Hintergrundgeräusche, gaben den Probanden jedoch keine Anweisung, wie laut sie sprechen sollten.
Interessanterweise sprachen alle Probanden bei allen Bedingungen, die eine erhobene Stimme erforderten, etwa gleich laut, entdeckten die Forscher. Wie diese Lautstärke erzielt wurde, war jedoch unterschiedlich: Die Anweisung, um den bestimmten Betrag lauter zu sprechen als normal, erschien den Teilnehmern offenbar besonders schwierig. Mit einem tiefen Atemzug vor dem Sprechen bereiteten sie sich auf die Aufgabe vor. Durch das auf diese Weise erhöhte Lungenvolumen konnten sie dabei die Luft mit höherem Druck durch ihre Stimmbänder pressen.
Das Sprechen mit doppelter Lautstärke wurde dagegen eher unterschätzt: Hier musste das Gehirn spontan reagieren und verstärkte die Spannung in den Bauchmuskeln, um den höheren Schalldruckpegel zu erreichen ? ein Mechanismus, den die Probanden als unangenehm empfanden. Dem zusätzlichen Hintergrundlärm schließlich begegneten die Testteilnehmer, indem sie beide Arten der Druckerhöhung kombinierten. Damit verteilten sie unbewusst die Arbeit auf mehrere Muskelgruppen und konnten die Sprechlautstärke besonders effektiv erhöhen. Die Forscher hoffen nun, mithilfe ihrer Ergebnisse das Entstehen und die Behandlung von Sprachstörungen besser verstehen zu lernen.
Jessica Huber (Purdue-Universität, West-Lafayette) et al.: Journal of Applied Physiology, Bd. 98, S. 2177
ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel





