Symmetrische Gesichter von Männern wirken besonders maskulin, symmetrische Frauengesichter dagegen sehr feminin. Dies gilt in verschiedenen Kulturen und sogar bei Affen. Das haben britische Forscher gezeigt, als sie Freiwillige die Gesichter von afrikanischen Ureinwohnern, Europäern und von Makaken-Affen beurteilen ließen. Den Versuchsteilnehmern fiel die Unterscheidung zwischen männlich und weiblich umso leichter, je symmetrischer das Gesicht war.
Die Forscher erstellten aus vielen Fotos mit Hilfe des Computers Durchschnittsbilder von Gesichtern, die je nach Wunsch symmetrischer oder asymmetrischer waren. So entstanden drei unterschiedliche Gesichtsmodelle, jeweils in weiblicher und männlicher Variante: Europäer, afrikanische Jäger und Sammler vom Volk der Hadza und Makaken-Affen.
Anschließend wurden die Gesichtsbilder von den Versuchsteilnehmern bewertet. Nach dem Zufallsprinzip zeigten ihnen die Forscher die Bilder auf einem Schirm. Das Kriterium für die Bewertung: “Welches Gesicht wirkt besonders typisch maskulin oder feminin?” Die Wissenschaftler fanden heraus, dass unsymmetrische Gesichter häufiger falsch klassifiziert wurden, also Frauen als Männer und umgekehrt. Je symmetrischer das Gesicht war, desto leichter fiel den Betrachtern die Zuordnung. In einem weiteren Teil des Versuchs bewerteten die Probanden jeweils diejenigen Fotos von Männern als typisch männlich, die eine höhere Symmetrie aufwiesen. Für Frauen gilt Entsprechendes ? symmetrische Gesichter wirken besonders weiblich. Ähnliche Ergebnisse ergaben sich auch, als die Probanden die manipulierten Bilder von Affen zu bewerten hatten.
Aus ihren Ergebnissen folgern die Forscher, dass die Symmetrie des Gesichts und die geschlechtstypischen Unterschiede zwischen Gesichtern Signale für “gute Gene” sind ? eine lohnenswerte Investition für Menschen des anderen Geschlechts. Es müsse einen biologischen Mechanismus geben, der diese Eigenschaften im Laufe der Entwicklung miteinander verknüpft. Beispielsweise könnten besonders gesunde Individuen Krankheiten besser überstehen und dadurch insgesamt sowohl symmetrischere als auch geschlechtstypischere Gesichter entwickeln. Die Signalwirkung des Gesichts sei vermutlich schon früh im Stammbaum des Menschen entwickelt worden, schließen die Wissenschaftler, da die Ergebnisse bei den Makaken ähnlich waren.
Anthony Little (Universität in Stirling) et al.: PLoS ONE, Bd. 5, S. e2106 ddp/wissenschaft.de ? Michael Böddeker





