An südafrikanischen Farmen zur Nashornzucht scheiden sich schon immer die Geister. Jetzt soll eine Gesetzesinitiative ihr Ende herbeiführen – und entfacht damit einen Streit über die Definition von Wildnis und die Mittel des Artenschutzes
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Text: Roman Goergen
Wer denkt, dass meine Nashörner domestiziert sind, kann gerne mal vorbeikommen und versuchen, eines anzufassen“, poltert John Hume. Von all den Argumenten, die Tierschützerinnen oder Forscher gegen den kontroversen südafrikanischen Wildzüchter vorbringen, scheint ihn die Idee, er erschaffe zahmes Zuchtvieh oder gar Haustiere, besonders zu ärgern. Humes 8500 Hektar gewaltige „Platinum Rhino Conservation Farm“ in der Nähe des Ortes Klerksdorp, drei Autostunden von Johannesburg entfernt, beherbergt fast 2000 Südliche Breitmaulnashörner. Auf jedes einzelne Tier kommt etwa das Areal von sechs Fußballplätzen.
Niemand auf der Welt hält auch nur annähernd so viele Nashörner in Privatbesitz wie der durch Immobilienhandel reich gewordene Unternehmer. Er sagt, dass er sich in „diese wundervolle Tierart“ verliebt habe und sie vor der Ausrottung durch Wilderei bewahren wolle. Auch durch den Verkauf ihres Horns. Doch Kritiker wittern Profitgier und warnen davor, aus wilden Tieren Zuchtvieh zu machen. „Gezüchtete Nashörner werden von der ihnen zukommenden Rolle in einem Ökosystem isoliert“, sagt etwa Will Travers, Präsident der britischen Tierwohlorganisation „Born Free“. Und der legale Verkauf ihres Horns würde Wilderei in seinen Augen eher stimulieren.
Die Regierung will die Zucht eindämmen
Dieser Streit über das Für und Wider der Zucht von Wildtieren wurde bislang von Ökonomen, Genetikern oder Ökologen ausgefochten. Doch in Südafrika, das inzwischen rund 80 Prozent aller Nashörner der Welt beherbergt, hat die immer weiter steigende Zahl von privat gezüchteten Tieren nun die Regierung auf den Plan gerufen. Das Umweltministerium hat im vergangenen Jahr eine Gesetzesinitiative auf den Weg gebracht, welche unter anderem die „Domestizierung von Nashörnern und die Intensivierung ihres Managements“ reduzieren soll. Das Ziel: Jene Farmen, auf denen ein besonders intensives Management der Tiere stattfindet, sollen schrittweise zur Aufgabe gebracht werden.
Ein Plan, der enorme Folgen nach sich ziehen könnte. Denn von Südafrikas Südlichen Breitmaulnashörnern sollen sich inzwischen etwa 6000 in Privatbesitz befinden, sowohl in privaten Reservaten als auch auf Farmen. Ihre Besitzer geben an, dass entspreche 60 Prozent der südafrikanischen Gesamtbestände; die genauen Zahlen veröffentlicht die Regierung nicht. Andere Schätzungen gehen davon aus, dass in Afrika noch rund 16.000 Exemplare dieser Nashorn-Unterart leben.
Für den Schutz der Tiere vor Kriminellen durch Hightech-unterstützte und hoch bewaffnete Sicherheitskommandos geben die Züchter und Betreiber privater Wildreservate gewaltige Summen aus. „Es kostet mich jeden Monat rund fünf Millionen Rand, meine Nashörner zu halten. Eine Hälfte für Futter, Tierarzt und andere Kosten, die komplette andere Hälfte geht für Sicherheitsmaßnahmen drauf“, erläutert Hume. Fünf Millionen Rand – das sind mehr als 300.000 Euro. Auf seiner Farm habe es dafür seit über fünf Jahren keine Wilderei mehr gegeben.
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In freier Wildbahn dagegen ist die Gefahr nach wie vor hoch. Seit 2008 wurden in Afrika rund 11.000 Nashörner von Wilderern getötet, ein Großteil davon in Südafrika. Allein der Krüger-Nationalpark hat rund drei Viertel seiner Bestände verloren. Nachdem die koloniale Großwildjagd zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Tiere fast ausgerottet hatte, konnten sich die Bestände in den 1950er und 1960er Jahren erholen. Doch Armut, politische Instabilität und Bürgerkriege sowie wachsende Nachfrage vor allem aus Asien führten bald erneut zu gewaltigen Massakern. Denn bis heute werden dem Nashornhorn in der Traditionellen Chinesischen Medizin wissenschaftlich längst widerlegte Eigenschaften nachgesagt. In gemahlener Form soll es etwa die Heilung verschiedenster Krankheiten und Potenzsteigerung bewirken. So gehen die Bestände der beiden Nashornarten Afrikas, des Breitmaul- und des Spitzmaulnashorns, seit den 1970er Jahren wieder deutlich zurück.
Geht es den Nashörnern unter den wachsamen Augen von Privatunternehmern also besser? In Südafrika ist der Privatbesitz von wilden Tieren seit 1991 gesetzlich gestattet, solange das Areal, auf dem sie leben, eingezäunt ist. „Südafrikaner haben seitdem eindeutig bewiesen, dass dies sehr profitabel sein kann“, erläutert Jasper Eikelboom, ein Wildökologe von der Universität Wageningen in den Niederlanden. Die Tiere lassen sich touristisch vermarkten, außerdem bringen Jagdlizenzen, Zucht und Verkauf den Besitzern Geld ein. „Dies hat vielerorts traditionelle Landwirtschaft ersetzt und Arbeitsplätze geschaffen.“ Während aber die touristische Vermarktung in Form von Besuchen oder Fotosafaris weitgehend als legitime Einnahmequelle angesehen wird, ist der Verkauf des Horns der Tiere stark umstritten. Derzeit ist der Handel mit Nashornhorn innerhalb Südafrikas unter einem Quotensystem legal, der kommerzielle Export aber ist verboten – und soll es nach den Plänen des Umweltministeriums auch bleiben.
Schutz durch legalen Hornhandel?
Vor diesem Hintergrund hat sich Eikelboom in seiner Forschung auch damit befasst, was ein internationaler Verkauf des Horns bedeuten würde. Denn ganz so absurd, wie es für unsere Ohren im ersten Moment klingen mag, ist dieses Vorhaben nicht. Im Gegensatz zu Elefanten, denen man nach ihren Stoßzähnen trachtet, oder Löwen, deren Knochen ebenfalls in der asiatischen Medizin begehrt sind, muss ein Nashorn nicht zwingend sterben, wenn ihm sein Horn entfernt wird. Während der Stoßzahn eines Elefanten zu einem Drittel in seinem Schädel sitzt und dort Nerven und Blutgefäße hat, ist das beim Horn des Nashorns nicht der Fall. Professionell durchgeführt, ist seine Entfernung ein schmerzloser Vorgang, der unter Betäubung mit einer Kettensäge stattfindet. Das Horn wächst in etwa drei Jahren zu voller Länge zurück. Damit die Tiere aber für Wilderer unattraktiv bleiben, sollten sie alle zwölf bis 24 Monate enthornt werden, was auf John Humes und vielen anderen Farmen auch passiert. Das Horn ist also da. Nur wie geht man mit ihm um?
Befürworter sagen: Ein legalisierter internationaler Handel könnte Züchter motivieren, die Zahl ihrer Tiere weiter zu erhöhen; die Gewinne aus dem Verkauf der Hörner könnten in den Schutz der Tiere investiert werden. Vor allem aber würden legale Verkäufe und eine damit verbundene Preiskontrolle den Kriminellen ihre Profite beschneiden. „Ich sitze auf acht Tonnen Horn, das ich nicht exportieren darf. Ich denke, die Regierung hat wahrscheinlich rund 28 Tonnen, und andere Züchter haben auch einige“, rechnet Hume vor. Wenn diese Mengen auf den Markt geworfen würden, erwarte er „nichts anderes, als dass die Bestellungen für die Wilderer zurückgehen, die im Moment unsere Nashörner im Krüger-Park massakrieren“. Kenner des Schwarzmarktes geben an, dass ein Kilogramm Horn in Afrika derzeit von Wilderern für rund 5000 US-Dollar an internationale Verbrechenssyndikate verkauft wird. Dasselbe Kilogramm erzielt dann für diese Gangsterkartelle als Großhandelspreis in Asien zwischen 13.000 US-Dollar in Vietnam und 20.000 US-Dollar in China. Würde Hume seine Lagerbestände zum chinesischen Großhandelspreis verkaufen dürfen, würde ihm das rund 160 Millionen US-Dollar erbringen.
Auch wenn der Nashornbaron die Markteffekte etwas simplifiziert, halten manche Ökonomen einen legalen Handel mit integrierter Preiskontrolle für machbar. Michael ’t Sas-Rolfes, ein südafrikanischer Experte für den internationalen Wildhandel an der Universität von Oxford in England, schlägt vor, einen einzigen kontrollierten und legalen Verkaufskanal zu gründen. „Jedes einzelne Horn würde auf dem Weg von Afrika nach Asien durch DNA-Zertifizierung überwacht. Alle Staaten einigen sich auf Preise und Quoten“, so der Ökonom. Die Konkurrenzfähigkeit gegenüber den kriminellen Kartellen werde über Kosteneffizienz entwickelt. „Wenn ein günstigerer Weg geschaffen wird, ein Produkt legal zum Endverbraucher zu bringen, dann ist es nicht mehr rentabel, das illegale Produkt anzubieten.“ Auch wenn es ihm widerstrebe, solch fragwürdigen Konsum zu bedienen, sieht er keinen anderen Ausweg
Der Tierschützer Will Travers hingegen nennt die Idee „eine Fantasie“. „Die kriminellen Syndikate werden die offiziellen Preise einfach unterbieten. Selbst dann ist es für verarmte Mosambikaner immer noch rentabel, in den benachbarten Krüger-Park einzudringen und ein Nashorn zu töten“, warnt er. Doch ’t Sas-Rolfes beharrt darauf, dass das Klischee vom finanziell unbeeindruckten Kriminellen schlicht falsch sei: „Die Kosten für die Syndikate sind nicht gleich Null. Selbst die Wilderer im Krüger-Park bekommen von den kriminellen Händlern rund 10.000 Dollar für ein totes Nashorn. Und die Schmuggeloperation ist noch viel teurer – Transport, Bestechungsgelder, Risiken an den Grenzen.“ Wenn der Preis unter ein bestimmtes Level falle, sei es den Aufwand schlicht nicht mehr wert.
Ökologe Jasper Eikelboom wiederum kommt in einer Studie mit seinen Kollegen zu dem Schluss, dass ein legalisierter Handel vier Effekte auslösen würde, von denen nur einer potenziell positiv sei. Jener nämlich, dass Züchter finanziell motiviert würden, mehr Horn zu produzieren, indem sie mehr Tiere züchteten und darüber zum Erhalt der Art beitragen. Negativ sei hingegen eine Stimulierung der globalen Nachfrage, welche die legalen Anbieter unter Umständen nicht erfüllen könnten. Zweitens würde Korruption entlang der legalen Handelsrouten eine Koexistenz von legalem und illegalem Horn ermöglichen. Vor allem aber widerspricht der Vorschlag dem Prinzip, dass Nachfrage vor allem dann sinkt, wenn Konsumenten mit dem Produkt ein Stigma verbinden – zum Beispiel Verantwortung für tote Tiere. Legales Horn würde dieses Stigma stark abschwächen. „Dennoch bin ich für den Privatbesitz von Nashörnern“, sagt Eikelboom. „Die gegenwärtigen Privatbestände sind entscheidend für das Überleben der Art. Aber ich bin gegen Hornhandel und selektive Zucht.“
Starkes Management ist nötig
Solche Nuancen in den Diskussionen machen es schwierig zu verstehen, in welchen Verhältnissen Nashörner in Südafrika leben und gegen welche Aspekte ihrer Haltung die Regierung genau vorgehen möchte. Experten warnen beispielsweise vor der Annahme klar definierter Grenzen zwischen den Tieren in den Nationalparks, jenen in privaten Wildreservaten und schließlich den privaten Zuchtstationen. Denn in der Realität sind diese Übergänge fließend: Nicht nur die Zuchtfarmen achten auf selektives Paarungsverhalten, sondern auch viele private Reservate. John Humes Farm bietet den Tieren mehr Freiraum und Auslauf als kleinere Reservate. Und selbst die großen Nationalparks bieten zusätzliche Nahrung und künstlich angelegte Wasserquellen, lassen die Tiere enthornen und beschäftigen bewaffneten Wachschutz. „Nashörner sind heutzutage schlicht aufgrund praktischer Notwendigkeiten eine stark gemanagte Art“, sagt ’t Sas-Rolfes. Wo also beginnen und enden „Domestizierung und intensives Management“?
Aufgrund dieser Definitionsschwierigkeiten ist die Gesetzesinitiative inzwischen etwas ins Stocken geraten. Ein erster Entwurf ist nach Einschätzung von Experten wohl wegen juristischer und verfassungsrechtlicher Bedenken zurückgenommen worden. Zumal neben den nationalen Gesetzen Südafrikas auch noch die Regelungen des Artenschutzabkommens CITES zu beachten sind. Dieses Abkommen unterscheidet bei einigen gefährdeten Arten, ob diese in freier Wildbahn leben oder in Gefangenschaft gezüchtet werden. So gestattet CITES in einem gewissen Maß den Handel mit Produkten sogenannter „Captive Breeding Operations“ (CBO). Die Idee hinter dieser Ausnahmeregelung ist, dass die Zucht in Gefangenschaft unabhängig von Bemühungen zum Schutz der Art in freier Wildbahn geschehe. Sie schadet den wilden Exemplaren nicht, im Gegenteil kann sie sogar kommerzielle Nachfrage bedienen und dadurch die Wildbestände entlasten. Ein solcher Handel unter Auflagen nach Anhang II wäre derzeit auch für Nashörner aus CBOs möglich. Vier südafrikanische Farmen, inklusive John Hume, beantragten daher bei der südafrikanischen Regierung diesen Status und erhielten ihn auch. Doch entgegen ihrer Erwartungen hatte dies keine konkreten Folgen: Exporte bleiben ihnen von der Regierung Südafrikas nach wie vor verwehrt. Nun sollen wohl Gerichte die Situation klären.
Der Grund für die südafrikanische Zurückhaltung liegt darin, dass die CITES-Ausnahmeregelungen zur Zucht in der Vergangenheit enorm missbraucht worden sind. Katastrophale Verhältnisse, zum Beispiel auf südafrikanischen Löwen- oder asiatischen Tigerfarmen, haben die Idee in Verruf gebracht. Nun fühlen sich die Nashorn-CBOs, die nicht im Verdacht der Tierquälerei stehen, mit den grausamen Züchtern anderer Arten in einen Topf geworfen. Geht es in Wirklichkeit also weniger um die Frage, ob Nashörner zu intensiv verwaltet werden, als vielmehr um die Angst vor einer zu negativen internationalen Wahrnehmung der CBOs und Zuchtfarmen?
Dabei sind sich selbst Parteien mit unterschiedlichen Meinungen einig, dass alle Zuchtnashörner in ihrem Verhalten noch wild genug sind, um sofort ausgewildert werden zu können. „John Humes riesige Population beispielsweise ist immer noch wild und genetisch sehr vielfältig. Daher ist sie potenziell für eine Rückführung in die Wildnis geeignet und damit wertvoll. Trotzdem trägt sie das Label einer CBO“, erklärt ’t Sas-Rolfes.
Das oft vorgebrachte Argument, dass intensive Verwaltung und selektives Paaren der Nashörner die Gefahr von Inzucht auf Farmen generell erhöhen, will Petra Kretzschmar, eine Expertin für Nashorngenetik vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin, ebenfalls nicht gelten lassen – im Gegenteil. „Inzucht ist so unvermeidbar, dass man sie lieber durch kontrollierte Züchtung verhindern sollte“, so die Forscherin. Kretzschmar hat mit Kollegen nachgewiesen, dass sich Südliche Breitmaulnashörner unabhängig von ihrem Verwandtschaftsverhältnis miteinander verpaaren. „Es gibt in ihrem Verhalten keine natürlichen Mechanismen der Inzuchtvermeidung“, so steht es in ihrer Studie. „In einer unbegrenzten Wildnis, in der sich Nashörner frei bewegen können, wäre dies auch kein Problem“, erläutert Kretzschmar. „Nashornmännchen und auch -weibchen hätten die Möglichkeit, aus einem Gebiet abzuwandern und somit die Gefahr einer Verpaarung unter Verwandten zu vermeiden. In der heutigen Situation existiert diese Möglichkeit jedoch kaum mehr.“ Nach Meinung der Expertin könne daher nur ein rigides Zuchtmanagement wie jenes auf John Humes Farm die genetische Vielfalt der Art gewährleisten.
Würde man dagegen eine derart große Anzahl von Tieren überstürzt auswildern – als mögliche Folge des diskutierten Gesetzes –, könnte das in einer Katastrophe enden. Denn auch wenn Wilderei die Bestände der Tiere in den Nationalparks stark dezimiert, so sind die besser überwachten Privatreservate nach Einschätzung von ’t Sas-Rolfes „geradezu überfüllt“. Würden die Tiere Humes auf Nationalparks und Privatreservate verteilt, so erwarten Experten einen Anstieg von illegalen Tötungen in den Parks und Probleme mit den hohen Nashorndichten in den Privatreservaten. So könnten territoriale Bullen beispielsweise miteinander um Vorherrschaft kämpfen und sich gegenseitig töten. „Es kann nur eine begrenzte Zahl an paarungsaktiven Männchen gleichzeitig in einem Schutzgebiet leben“, sagt Petra Kretzschmar. „Wenn diese über viele Jahre alle Verpaarungen dominieren, dann kommt es langfristig zur Inzucht, was wiederum eine große Bedrohung für die genetische Vielfalt und somit für das dauerhafte Überleben der Art sein kann.“
Verschwimmende Grenzen
Die Genetikerin äußert daher deutliche Kritik an den Plänen der Regierung, intensives Zuchtmanagement für Nashörner per Gesetz generell zu unterbinden. „Ich frage, wo die Grenze zwischen wilden und gefangenen oder gemanagten Nashörnern liegt und warum die Population der sogenannten wilden Nashörner nicht von einer Nachzucht in Gefangenschaft profitieren soll. Wäre es da etwa besser, aufgrund einer begrifflichen Interpretation die gesamte Art aussterben zu lassen?“ Und auch ’t Sas-Rolfes, selbst Teil des beteiligten Expertengremiums, sieht den Gesetzentwurf kritisch: „Wir hatten überhaupt nicht genügend Zeit, die komplizierten Nuancen zu diskutieren. Überall verblieben Meinungsverschiedenheiten, weil der gesamte Prozess vollkommen gehetzt war.“ Das Ergebnis sei entsprechend mangelhaft.
Auf Anraten von Juristen hat die Regierung den Prozess inzwischen verzögert, ein erster Entwurf wurde korrigiert. Nun sollen die Regelungen zur Wildzucht in ein Weißbuch zum Thema „Artenschutz und nachhaltige Nutzung von Südafrikas Biodiversität“ integriert werden, teilte das Umweltministerium auf Anfrage mit. Dieses soll bis März 2023 veröffentlicht werden. Es wird nicht die verbindliche Wirkung eines Gesetzes haben, aber nach Auskunft eines Ministeriumssprechers die Basis für weitere Gesetzesinitiativen zur Haltung wilder Tiere bilden. Für Züchter wie Hume bedeutet diese Verzögerung weitere Unsicherheit und wenig finanzielle Einkünfte. Ein Bankrott könnte damit schneller kommen als ein Gesetz. Mit ungewissen Folgen. Auch für die Nashörner.
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