Weniger Leptin – mehr Bewegung
Warum das so ist und welche Rolle das Fetthormon Leptin dafür spielt, haben nun Maria Fernandez von der Université de Montreal und ihre Kollegen untersucht. Für ihre Studie verglichen sie das Verhalten von Mäusen, denen spezielle Leptin-Rezeptoren im Gehirn fehlten mit denen normaler Kontrolltiere. Alle Mäuse hatten ständig Zugang zu einem Laufrad in einer Ecke ihres Käfigs. Sie konnten sich daher bewegen, so viel sie wollten. Und tatsächlich zeigten sich bald klare Unterschiede: Die Mäuse, denen der Rezeptorfehler einen Leptinmangel suggerierte, entpuppten sich als regelrecht versessen aufs Laufen. Während die Kontrolltiere durchschnittlich sechs Kilometer pro Tag im Laufrad zurücklegten, rannten sie mit elf Kilometern fast doppelt so weit. Zudem hielten sich diese Mäuse auch sonst länger im Käfigteil mit dem Laufrad auf – ein Hinweis, dass sie dieses mit angenehmen Gefühlen assoziierten, wie die Forscher erklären.
Dies bestätigte sich, als die Wissenschaftler erfassten, wie sich eine Gabe von purem Leptin auf die Lauffreudigkeit und die körpereigenen Endorphine im Gehirn der Mäuse auswirkte: Bei den Kontrolltieren blockierte das Leptin die Ausschüttung des Glückshormons Dopamin im Gehirn – einem der wichtigen Auslöser für das Runner’s High. Als Folge verspürten die Tiere keine Befriedigung beim Laufen mehr und hörten damit auf. Bei den Mäusen mit blockiertem Leptinrezeptor konnte das Leptin nicht andocken und daher liefen sie weiter so begeistert wie zuvor. Nach Ansicht der Forscher spricht dies dafür, dass das Fetthormon Leptin nicht nur den Appetit beeinflusst, sondern auch eine wichtige Rolle für den Bewegungsdrang und die Euphorie des Runner’s High spielen könnte. “Aufgrund unserer Ergebnisse glauben wir, dass das Absinken des Leptins die Motivation für körperliche Aktivität erhöht”, sagt Seniorautorin Stephanie Fulton von der Université de Montreal.
Stärkt das Durchhaltevermögen
Das könnte erklären, warum gerade Marathonläufer und Menschen mit ohnehin sehr wenig Körperfett oft nicht lange stillsitzen können und sich erst beim Sport glücklich fühlen. Weil sie von Natur aus weniger Leptin im Blut haben, reagieren sie sensibler auf die beim Sport ausgeschütteten Endorphine als dickere Menschen. Das Fetthormon kann seine dämpfende Wirkung bei ihnen nicht ausüben und das Streben nach der Befriedigung durch Bewegung ist größer. “Auf den ersten Blick klingt es paradox, dass Hunger und wenig Körperfett zu noch mehr Bewegung animieren”, sagen die Forscher. Doch aus evolutionärer Sicht ist es durchaus logisch: “Eine größere Ausdauer beim Laufen erleichtert es Säugetieren, Futter zu finden, selbst wenn dieses dünn gesät ist oder lange verfolgt werden muss”, erklären sie. Ihrer Ansicht nach könnte sich auch das Runner’s High genau für solche Situationen entwickelt haben: Die Euphorie half unseren Vorfahren dabei, trotz Hungers so lange durchzuhalten, bis sie dann doch noch etwas Essbares gefunden hatten.





