Von Fledermaus, Känguru, Blauwal bis hin zum Menschen – die meisten der heute lebenden Säugetierarten gehen auf Gruppen zurück, die sich nach dem katastrophalen Ende der Kreidezeit vor 66 Millionen Jahren explosionsartig entwickelten. Traditionell wurde angenommen, dass sie zuvor von den Dinosauriern unterdrückt wurden: Da die vielgestaltigen Herrscher dieser Ära die ökologischen Nischen besetzt hielten, war die Entwicklung der später so erfolgreichen Vertreter der Theria – der Beutel- und Plazentatiere – gehemmt. Es schien, als ob diese Säugetiere erst neue Formen und Lebensweisen hervorbringen konnten, nachdem die Dinosaurier die Bühne der Evolution freigegeben hatten.
Begrenzungen auf der Spur
Doch die aktuelle Studie zeichnet nun ein komplexeres Bild der einstigen Entwicklungsbegrenzungen, bei denen nun der Wettbewerb zwischen den verschiedenen Entwicklungslinien der Säugetiere in den Fokus rückt. Denn in der Ära der Dinosaurier existierten neben den damals kleinen Vorfahren der Beutel- und Plazentatiere noch weitere Gruppen der Säuger. Zu ihnen gehörten etwa die Eutriconodonta, von denen einige Vertreter ein Gewicht von über zehn Kilogramm erreichten. “Es gab in dieser Zeit Säugetiere, die auch gleitende, schwimmende und grabende Arten umfassten – aber keines dieser spezialisierten Säugetiere gehörte zu den modernen Gruppen – sie stammten alle von früheren Zweigen des Säugetierstammbaums ab”, sagt Co-Autorin Elsa Panciroli von der Oxford University.
Im Rahmen ihrer Studie sind sie und ihre Kollegen durch statistische Methoden der Frage nachgegangen, wie eingeschränkt verschiedene Gruppen von Säugetieren in ihrer Evolution vor und nach dem Massenaussterben waren. Dabei wurden Merkmale der verschiedenen Säuger-Arten und ihrer Entwicklungslinien erfasst und ausgewertet, die neben den Dinosauriern lebten. Wie die Wissenschaftler erklären, sind anhand von bestimmten Mustern Rückschlüsse auf die evolutionären Begrenzungen möglich, die durch die Konkurrenz mit anderen Tieren entstanden sein könnten.
Die Verwandtschaft stand im Weg
Wie sie berichten, deuten ihre Ergebnisse darauf hin, dass nicht primär die Dinosaurier den Vorfahren der modernen Säugetiere die größten Beschränkungen auferlegten, sondern zunächst ihre engsten Verwandten. Denn die Forscher konnten verdeutlichen, dass die Theria im Vergleich zu den anderen Vertretern der Säugetiere in der Ära der Dinosaurier wenige Veränderungen bei Merkmalen wie Größe oder Strukturen von Zähnen und Knochen hervorbrachten: Sie blieben vergleichsweise unspezialisiert. Die direkte Konkurrenz mit den Dinosauriern als Ursache für ihre geringe Entwicklung erscheint dabei eher wenig plausibel, betonen die Forscher.





