Keulenschwingende Panzerriesen – ihre spektakuläre Ausrüstung hat die Ankylosaurier berühmt gemacht. Nun haben Paläontologen einem Vertreter dieser Dinosaurier in den Kopf geblickt: Sie haben ein virtuelles 3D-Modell des Gehirns, der zerebralen Blutgefäße und des Innenohrs des Ankylosauriers Bissektipelta archibaldi erstellt. Wie sie berichten, geht aus den Strukturanalysen hervor, dass das Tier sein recht kleines Gehirn besonders effektiv kühlen konnte, einen extrem hochentwickelten Geruchssinn besaß und tieffrequente Töne hören konnte.

Die Wissenschaftler um Ivan Kuzmin von der Universität St. Petersburg haben sich nun mit den Überresten eines Ankylosauriers der Art Bissektipelta archibaldi beschäftigt, die bereits vor etwa 20 Jahren in Usbekistan entdeckt worden sind. Das Besondere an dem Fund: Es wurden zwar nur wenige Überreste vom Körper des etwa Flusspferd-großen Tieres entdeckt, doch Teile des Schädels sind ausgesprochen gut erhalten. Diese Strukturen, in denen einst das Gehirn des Dinosauriers saß, haben die Forscher nun einer detaillierten Untersuchung mittels Computertomografie (CT) unterzogen.
3D-Modell eines Ankylosaurier-Hirns
„Die Entwicklung dieser Technik hat Paläontologen bereits Rückschlüsse auf die Gehirnstrukturen von anderen Dinosauriern ermöglicht”, sagt Kuzmin. Wie er betont, werden dabei nicht Reste des Gehirns selbst untersucht, sondern die Abdrücke des Organs in der Schädeldecke ermöglichen Rückschlüsse auf seine einstigen Strukturen. Durch die CT-Daten entstand letztlich eine Art digitaler Abguss der Gehirnhöhle. So gelang es den Wissenschaftlern, ein dreidimensionales Modell des Gehirns sowie der zerebralen Blutgefäße und des Innenohrs des Ankylosauriers zu erstellen. Anhand dieser Strukturen waren dann Rückschlüsse darauf möglich, welche Bereiche besonders entwickelt waren und welche Fähigkeiten das Tier besessen haben könnte.
Wie die Wissenschaftler berichten, bildete der Riechkolben einen beträchtlichen Anteil des Gehirns dieses Dinosauriers. Die Ergebnisse sind dabei vergleichbar mit früheren Studien zu den Hirnstrukturen von Tyrannosaurus rex. Ähnlich wie dieser Raubsaurier besaß demnach auch der Pflanzenfresser einen sehr feinen Geruchssinn. Vermutlich diente er den Ankylosauriern zur Nahrungssuche, bei der Partnerfindung oder auch der Gefahrenerkennung, sagen die Forscher. Möglicherweise konnten sie nahende Raubsaurier gut wittern und sich dadurch rechtzeitig in Verteidigungsposition bringen.





