Eine Gruppe von Forschern der Staatsuniversität von Pennsylvania hat mit Hilfe eines Gravitationsmodells, mit dem sonst die Anziehungskräfte zwischen Planeten beschrieben werden, erfolgreich die Ausbreitung einer Masernepidemie nachgestellt. Demnach breiten sich Infektionskrankheiten eher in bevölkerungsreichen Zonen aus als in weniger besiedelten Gebieten. Darüber berichten die Forscher in einem Artikel des Fachmagazins The American Naturalist.
Der britische Forscher Andrew Cliff von der Universität von Cambridge hatte bereits in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts spekuliert, dass die Ausbreitung einer Epidemie in gewisser Weise einem Gravitationsgesetz gehorchen sollte. Demnach würden sich Epidemien bevorzugt zu Ballungsräumen hin ausbreiten ? ebenso, wie kleinere Gesteinsbrocken im Weltraum zu größeren hingezogen werden, selbst wenn diese relativ weit von ihnen entfernt sind.
Mit Hilfe dieser Theorie sollte sich demnach die räumliche Dynamik von Epidemien studieren lassen. In der Tat haben Ottar Bjornstad und seine Kollegen von der Staatsuniversität von Pennsylvania mit Hilfe einem dem Gravitationsgesetz ähnlichen Modell die Ausbreitung der Kindermasern in England und Wales erfolgreich nachgestellt.
Das Ergebnis dieser Studie erklärt zum Beispiel, wieso die Infektionskrankheit nicht unbedingt von einem Ort zum nächsten wandert, sondern häufig kleinere Städte in unmittelbarer Umgebung des Infektionsherdes überspringt, um stattdessen in einer weiter entfernten Großstadt zuerst auszubrechen. Unklar ist allerdings, ob derartige Modelle auch erfolgreich den Verlauf von Epidemien im Zeitalter von Massenimpfungen nachbilden können.
Stefan Maier





