Je näher Väter bei ihren Kindern schlafen, desto niedriger ist ihr Testosteronspiegel. Das hat jetzt eine Studie amerikanischer und philippinischer Forscher auf den Philippinen gezeigt. Teilen sich Vater und Kind eine Schlaffläche, so ist die Konzentration des Geschlechtshormons im Blut der Männer deutlich niedriger als bei Vätern, deren Sprössling im Nebenraum schläft. Das könnte laut den Wissenschaftlern mit dem Elternverhalten zusammenhängen. Die genauen Ursachen sind jedoch noch nicht geklärt.
Menschen gehören zu den wenigen Arten aus der Gruppe der Säuger, bei denen Männer an der Betreuung der Kinder beteiligt sind. Damit die Väter den Anforderungen des Kindes gerecht werden können, müssen Männer ihr Verhalten und ihre Prioritäten verändern, sobald sie Nachwuchs bekommen. Dabei spielt das männliche Sexualhormon Testosteron eine große Rolle, denn es steuert einen Großteil des männlichen Verhaltens, insbesondere in Bezug auf das weibliche Geschlecht. Neben den körperlichen Faktoren, wie dem Muskelaufbau, beeinflusst es zum Beispiel das Verhalten im Wettbewerb um eine Frau. Viel Testosteron steht in Verbindung mit sozialer Dominanz, erhöhter Risikobereitschaft, Aggressivität, Drogen- und Alkoholsucht und häufig wechselnden Sexualpartnern. Diese Merkmale stehen oft im Konflikt mit gutem väterlichen Verhalten.
Um das Wohl des Kindes zu fördern, wird daher offenbar das Hormonlevel bei Vätern im Vergleich zu Männern ohne Kinder heruntergefahren, konnten die Forscher nun nachweisen. Das Team um Lee Gettler von der University of Notre Dame hatte dazu im Jahr 2009 bei 362 Vätern die Testosteronwerte mithilfe einer Speichelprobe morgens und abends gemessen und verglichen. Die Männer waren im Durchschnitt 26 Jahre alt und lebten alle auf den Philippinen. Die Auswertung zeigte: 92 Prozent der Väter schliefen mit dem Nachwuchs in einem ?Bett? beziehungsweise auf einer Schlaffläche, da die wenigsten Philippiner ein Bett besitzen, wie wir es in Deutschland kennen. Diese Männer hatten im Vergleich weniger Testosteron als diejenigen, die mit ihrem Kind nur im gleichen Raum schliefen. Am meisten war im Speichel derjenigen enthalten, deren Sprössling im Raum nebenan schlief.
Die Männer hatten allesamt bereits 2005 an einer Testosteron-Studie der Wissenschaftler teilgenommen. Damals war die Forschung jedoch nicht auf Väter beschränkt. Im Vergleich zeigte sich, dass die Männer, die zum Zeitpunkt der ersten Studie noch keine Väter waren, nach der Geburt ihres Kindes weniger Testosteron im Speichel hatten als 2005. Dies unterstütze laut den Forschern andere Studien, denen zufolge verheiratete Männer und Väter einen niedrigeren Testosteronspiegel aufweisen als Singles. Da die Untersuchungen von Gettler und seinen Kollegen jedoch auf den Philippinen gemacht wurden und dort eine ganz andere Kultur herrscht, kann man die Ergebnisse nicht automatisch auf Deutschland übertragen.
Lee T. Gettler (University of Notre Dame) et al.: PLoS One; doi: 10.1371/journal.pone.0041559 © wissenschaft.de – Gesa Seidel





