Die von Kindern zu einem bestimmten Zeitpunkt bereits erlernten Worte bestimmen auch ihr Erinnerungsvermögen, behaupten Gabrielle Simcock und Harlene Hayne von der neuseeländischen Universität Otago in Dunedin. Das ist vermutlich der Grund, warum Erwachsene sich nicht an ihre ersten sprachlosen Lebensjahre erinnern, schreiben die Psychologinnen in der aktuellen Ausgabe des Magazins “Psychological Science”.
Die Forscherinnen präsentierten zwei bis dreijährigen Kindern, die gerade zu sprechen begonnen hatten, eine “Wundermaschine”: Spielzeug, das oben in die Maschine eingeworfen wurde, ließ das Gerät scheinbar schrumpfen und gab es dann in der verkleinerten Version durch eine Klappe zurück. Ein Jahr später befragten die Psychologinnen die Kinder zu den Erinnerungen an die Maschine. Zur Überraschung der Forscher berichteten die Kinder ausschließlich mit solchen Worten über das merkwürdige Gerät, die sie bereits ein Jahr zuvor beherrscht hatten. Inzwischen konnten sie eigentlich schon viel besser sprechen, aber offenbar war es ihnen nicht möglich, die neu gewonnenen sprachlichen Fähigkeiten zur Wiedergabe der alten Erinnerungen zu nutzen.
Wenn wir damit beginnen sprachlich zu denken, kann das Gehirn eventuell vorhandene Erinnerungen der ersten Lebensjahre nicht in Worte fassen, folgern die Forscherinnen. Die alten Erinnerungen können daher nicht genutzt werden und verschwinden schließlich ganz aus dem Gedächtnis.
Andreas Wawrzinek





