Die Nager eignen sich gut als Modell menschlicher Depressionen, denn auch sie neigen unter bestimmten Umständen zu Reaktionen, die der menschlichen Gemütsverfassung entsprechen, sagen die Forscher. Sie führten ihre Untersuchungen mit Tieren einer genetisch veränderten Zuchtlinie durch, bei denen die Aktivität bestimmter Nervenzellen gezielt erfasst werden kann. Ähnlich wie beim Menschen, zeigten sich bei Tests einige der Mäuse als anfällig, andere wiederum als widerstandsfähig gegenüber der Entwicklung von Depressionen durch Stress.
Depressive Mäuse im Dienste der Forschung
Die Untersuchungen dieser beiden Mäuse-Gruppen untermauerten die früheren Ergebnisse: Bestimmte Neuronen im präfrontalen Cortex der Mäuse mit Depressionsneigung waren bei Stressbelastung hyperaktiv. Bei den stressresistenten Vergleichstieren blieben die gleichen Nerven hingegen ruhig. Doch dieses Ergebnis bewies noch nicht, dass die verstärkte Aktivität der Neuronen tatsächlich der Auslöser von Depression ist. Um diesen Nachweis zu erbringen, entwickelten die Forscher eine weitere Mäuse-Zuchtlinie, bei der es durch bestimmte Verfahren möglich ist, gezielt die Neuronen im präfrontalen Cortex künstlich anzuregen. „Die Ergebnisse waren bemerkenswert”, sagt Li: „Durch die Aktivierung wurden zuvor noch belastbare Mäuse hilflos und zeigten alle klassischen Symptome von Depression”.
Den Forschern zufolge erklären ihre Ergebnisse, warum eine Therapieform, die bereits zur Behandlung von Depressionen eingesetzt wird, Wirkung zeigt: die Tiefe Hirnstimulation. Durch dieses Verfahren wird offenbar die Aktivität der relevanten Neuronen im Gehirn unterdrückt. „Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse dazu beitragen, die Tiefe Hirnstimulation gezielter und effektiver zu machen”, sagt Li. „Außerdem arbeiten wir an der Entwicklung weiterer Strategien zur Behandlung von Depressionen mit Ansatzpunkten im präfrontalen Cortex”, sagt der Hirnforscher.





