Fachleute nennen das den „Rebound-“ oder „Bumerang-Effekt“. Sie meinen damit: Effizienz alleine reicht nicht aus, um unseren Energieverbrauch wirklich zu senken. Denn je sparsamer Technik wird, umso stärker der Anreiz, diese Technik intensiver zu nutzen als zuvor. Im Rebound-Effekt liegt eines der größten Probleme der Klimapolitik. Doch sein Ausmaß wird bislang völlig unterschätzt.
Wie stark er wirkt, hängt von den näheren Umständen ab, etwa von Ort, Zeit und Technik. Experten schätzen, dass er im Normalfall zwischen 10 und 80 Prozent der Energieersparnis wieder auffrisst – im Extremfall kann er den Verbrauch sogar steigen lassen. „Backfire“ heißt das dann, frei übersetzt: der Gegenschlag der Energieverschwendung.
Ach, sagen Sie jetzt vielleicht, das betrifft mich ja gar nicht, denn ich habe gar kein Auto! Falsch. Wir alle sitzen in der Rebound-Falle.
Forscher haben in den vergangenen Jahrzehnten weltweit unzählige Beispiele dafür zusammengetragen: In Mexiko gab der Staat Zuschüsse für den Kauf neuer Klimaanlagen und Kühlschränke. Doch die Mexikaner ließen die neuen Klimaanlagen länger laufen, sodass die effizienteren Geräte per Saldo mehr Strom verbrauchten als zuvor, und sie kauften größere Kühlschränke. In Europa kam eine Studie im Auftrag der EU-Kommission zu dem Schluss, dass Haushaltsgeräte heutzutage viel effi-zienter sind, aber trotzdem alles in allem ungefähr 22 Prozent mehr Strom verbrauchen als früher. In Deutschland sind Wohnungen besser gedämmt, aber auch größer geworden – der Verbrauch an Heizenergie ist in den letzten Jahren nicht gesunken. Und, wieder ein Beispiel aus der Autobranche: In Japan fuhren die stolzen Besitzer eines Hybridautos mit ihrem neuen Statussymbol deutlich längere Strecken als zuvor.
Wir lassen Energiesparlampen länger brennen, weil sie kaum noch Strom brauchen. Wer an einer Stelle durch sparsame Geräte weniger Geld ausgibt, gönnt sich vielleicht eine zusätzliche Flugreise und macht die positive Umweltwirkung so zunichte. Unsere Ansprüche sind gewachsen: Wir kaufen größere Fernseher, besitzen mehrere Computer, wo vor wenigen Jahrzehnten eine Schreibmaschine reichte, und ein Smartphone, das wegen seines großen Displays ständig aufgeladen werden muss. Wenn wir einen effizienten Kühlschrank kaufen, wandert der alte in den Partykeller und wird weiter genutzt. Und die alte Spritschleuder von Auto können die Kinder noch fahren, wenn wir längst auf ein neues Modell umgestiegen sind.
Das Deprimierende daran ist: Selbst wenn Einzelne es schaffen, sich dem zu entziehen, tragen sie möglicherweise gerade dadurch zum Rebound-Effekt bei. Dahinter steckt ein einfacher wirtschaftlicher Mechanismus. Sinkt die Nachfrage nach einem Gut, und bleibt das Angebot gleich, sinkt auch der Preis – und für andere Konsumenten lohnt es sich erst recht, das Produkt zu kaufen.




