Männer verarbeiten männliche und weibliche Stimmen in unterschiedlichen Hirnregionen. Das haben Wissenschaftler von der Universität Sheffield (Großbritannien) in einer Studie herausgefunden. Die Ergebnisse liefern auch eine Erklärung dafür, warum Menschen mit Halluzinationen selten weibliche und fast immer männliche Stimmen hören.
Die Forscher ließen die 12 männlichen Probanden den Stimmen von Frauen lauschen und beobachteten gleichzeitig mit funktioneller Magnetresonanztomographie, welche Hirnareale in diesem Moment aktiv waren. Hörten die Versuchspersonen männliche Stimmen, wurden die typischen Hörregionen des Gehirns aktiviert, stellten die Wissenschaftler fest. Die Frauenstimmen aktivierten hingegen Gebiete, die weiter im Hinterkopf liegen und im Forscherjargon als “geistiges Auge” des Gehirns bezeichnet werden. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Männer weibliche Stimmen über ihre Klangmelodie identifizieren, männliche dagegen eher über den Vergleich mit gespeicherten Erfahrungen über sich selbst, so zum Beispiel über die eigene Stimme.
Der Grund, warum die beispielsweise bei Schizophrenie typischen akustischen Halluzinationen seltener mit weiblicher als mit männlicher Stimme sprechen, könnte die unterschiedliche Klangqualität der Sprechorgane sein. Die weibliche Stimme sei nämlich deutlich komplexer als die männliche, erklärt Michael Hunter, einer der beteiligten Forscher. Dies liege unter anderem an der unterschiedlichen Form und Größe von Stimmbändern und Kehlkopf. Halluzinationen entstehen vermutlich durch spontane Aktivierungen des Gehirns, die dem Betroffenen eine Stimme vorgaukeln. “Da die weibliche Stimme so viel komplexer ist, tut sich das Gehirn möglicherweise schwerer, sie korrekt zu imitieren”, vermutet Hunter.
Peter Woodruff ( Universität Sheffield, Großbritannien) et al.: NeuroImage, Online-Vorabveröffentlichung, doi:10.1016/j.neuroimage.2005.04.023
ddp/wissenschaft.de ? Christine Amrhein





