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Warum Koalas kaum Zeit auf dem Boden verbringen
Erde & Umwelt

Warum Koalas kaum Zeit auf dem Boden verbringen

Koalas sind eine australische Ikone. Die Koala-Populationen gehen allerdings rapide zurück. Die flauschigen Baumbewohner sind sogar vom Aussterben bedroht. Schuld sind Krankheiten sowie allgemein Verlust und Fragmentierung ihres Lebensraums. Doch offenbar drohen den Koalas die meisten Feinde am Boden: Zwei Drittel…
Autor
Claudia Krapp
09. Juli 2025
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Koalas (Phascolarctos cinereus) sind eine Beutelsäuger-Art, die nur in Australien vorkommt, und daher ein gängiges Symbol für diesen Kontinent. Allerdings schwindet die Zahl der einst weit verbreiteten Tiere immer mehr, sodass die Spezies nun vom Aussterben bedroht ist. Bemerkenswert dabei: Rund 66 Prozent aller Koalas sterben, während sie sich am Boden befinden. Dort treffen sie hauptsächlich auf Hunde und Autos, wie frühere Forschungen gezeigt haben. „Koalas leben meist in Bäumen, aber aufgrund umfangreicher Rodungen sind sie zunehmend gezwungen, sich auf dem Boden fortzubewegen, was sie einem ernsthaften Risiko von Verletzungen und Tod aussetzt“, sagt Gabriella Sparkes von der University of Queensland in Australien.

Dennoch ist überraschend wenig über das Verhalten der graufelligen Ikonen am Boden bekannt. „Wir haben noch kein klares Verständnis davon, wie oft Koalas von Bäumen fallen, wie weit oder schnell sie sich bewegen, wie lange sie auf dem Boden bleiben oder was diese Entscheidungen beeinflusst“, sagt Sparkes.

Foto von einem Koala mit Halsband an einem Baumstamm
Koala in freier Wildbahn mit einem speziell angefertigten Halsband, das einen GPS-Logger und einen Beschleunigungsmesser enthält. © Dr Ami Fadhillah Amir Abdul Nasir

Koalas laufen am Boden nur sehr langsam

Um diese Wissenslücken zu schließen und Koalas künftig besser schützen zu können, haben Biologen um Sparkes die Bewegung der Koalas nun erstmals näher analysiert. Dafür statteten sie mehrere wildlebende Koalas in einer stark gerodeten Gegend mit Halsbändern aus, die GPS-Logger und Beschleunigungsmesser enthielten. Diese Messgeräte zeichneten die Positionen der Tiere alle fünf Minuten auf, während der Aufenthalte am Boden sogar alle fünf Sekunden. Anhand der Beschleunigungssensoren ermittelten die Forschenden, ob die Koalas gehen, klettern, sitzen oder sich anderweitig bewegen. „In Verbindung mit GPS-Tracks erhalten wir so einen unglaublich detaillierten Überblick darüber, wie sich Koalas durch ihren Lebensraum bewegen“, erklärt Sparkes.

Die Auswertung der Halsband-Daten ergab: Die Koalas verbringen die allermeiste Zeit in Bäumen, wo sie bis zu 20 Stunden pro Tag schlafen und Eukalyptus fressen. „Was uns überrascht hat, war, wie selten und kurz sie den Boden nutzen – nur zwei bis drei Mal pro Nacht, durchschnittlich insgesamt etwa zehn Minuten oder weniger als ein Prozent ihres Tages“, berichtet Sparkes. Der Boden ist demnach definitiv nicht das bevorzugte Terrain der nachtaktiven Tiere. Dennoch bewegen sich Koalas am Boden offenbar sehr gemächlich fort. „Sie verbrachten fast so viel Zeit mit Sitzen und Pausieren wie mit Gehen. Nur etwa sieben Prozent ihrer Zeit auf dem Boden verbrachten sie mit Sprüngen“, so Sparkes. Das könnte daran liegen, dass Springen die Koalas viel Energie kostet. Oder daran, dass die Beuteltiere sehr genau auswählen, welchen Baum sie erklimmen, und dafür ihre Umgebung sorgfältig bewerten.

Welche Bäume würden Koalas helfen?

Die Erkenntnisse legen nahe, dass Koalas am Boden langsame und leichte Beute sind. Das wirft neue Fragen darüber auf, wie gut Koalas künftig in ihren Lebensräumen überleben werden, wenn es immer weniger Bäume gibt. Das Team untersucht daher nun in Folgestudien, wie lange Koalas in verschiedenen Arten von Bäumen bleiben. „Wenn wir die Baumarten oder Lebensraumbedingungen identifizieren können, die Koalas dazu ermutigen, länger in den Bäumen zu bleiben, können wir Landschaften möglicherweise so gestalten, dass weniger Bodenaufenthalte erforderlich sind“, so Sparkes. Gezielt gepflanzte Bäume, deren Kronen sich lückenlos verbinden, könnten die derzeitigen Schutzbemühungen dann ergänzen und dazu beitragen, Koalas vom Boden und damit aus der Gefahrenzone fernzuhalten.

Quelle: Society for Experimental Biology (SEB); SEB Conference 2025

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