Das erste Tier, das der Mensch vor rund 15.000 bis 50.000 Jahren domestiziert und damit zu seinem Nutz- und Haustier gemacht hat, war wahrscheinlich der Haushund (Canis familiaris). Dieser entwickelte sich durch eine Reihe evolutionärer Selektionsprozesse aus dem Grauwolf (Canis lupus) und erwarb dabei schrittweise ein anderes Aussehen. Anders als sein nächster Verwandter, der auffällig hellgelbe Augen besitzt, haben die heutigen Haushunde meist eine dunkle Augenfarbe, die von braun bis schwarz reicht. Aber wie kam es dazu?
Das hat ein Team um Akitsugu Konno von der Teikyo University of Science im japanischen Yamanashi untersucht. Dafür verglichen sie auf Fotos systematisch die Farbe der Iris im Auge von 22 Wölfen und 81 Hunden aus 35 verschiedenen Hunderassen. Zudem zeigten die Forschenden Testpersonen Porträtaufnahmen von zwölf verschiedenen Hunderassen und untersuchten mit einem Fragebogen, wie die Menschen auf sie reagierten und ob sie die Hunde anders wahrnehmen, wenn diese durch Bildbearbeitung hellere (gelb) oder dunklere (schwarz) Augenfarben erhielten. Diesen Versuch führten Konno und seine Kollegen zweimal durch, zuerst mit 76 Testpersonen, dann mit 66 weiteren Probanden.
Menschen bevorzugen dunkeläugige Hunde
Das Ergebnis: Die Iris von Hunden ist tatsächlich meist deutlich dunkler und rötlicher gefärbt als die der Wölfe. Dadurch verschmelzen im Hundeauge Pupille und Iris optisch miteinander und dieser Bereich erscheint größer. Passend dazu nahmen die Testpersonen in den Befragungen die Gesichter von Hunden mit dunkleren Augen als freundlicher, umgänglicher und unreifer wahr, dieselben Gesichter mit helleren Augen hingegen als klüger, selbstbewusster und reifer. Insgesamt waren die Probanden eher bereit, sich um die dunkeläugigen Hunde zu kümmern als um die helläugigen.
Konno und seine Kollegen schließen daraus, dass wir Menschen Hunde mit dunkleren Augen klar bevorzugen. Warum genau dunklere Hundeaugen auf uns freundlicher wirken, geht aus der Studie nicht hervor. Bei dunkleren Augen fällt es uns Menschen jedoch schwerer, den Kontrast zwischen Iris und Pupille wahrzunehmen, wie die Forschenden berichten. Dadurch können wir bei dunkleren Augen schlechter erkennen, ob sich die Pupille weitet oder verengt und überschätzen insgesamt die Größe der Pupille. Eine geweitete Pupille deutet auf Freude hin und wird von uns Menschen als attraktiv, freundlich und vertrauenswürdig wahrgenommen, wie frühere Studien zeigen. Zudem wirken vermeintlich weite Pupillen jünger, weil Babys größere Pupillen haben als ältere Menschen. Eine verengte Pupille bedeutet hingegen Ärger und Bedrohung. Hunde mit dunkleren Augen könnten daher davon profitieren, dass wir Menschen ihren Ärger schlecht in ihren Augen sehen können und sie für jünger halten, vermuten Konno und seine Kollegen.





