Entkommene Zuchtfische könnten somit durch Einkreuzung ihrer Eigenschaften das Wanderverhalten der Lachse stören, ihre körperlichen Eigenschaften ungünstig beeinflussen und die Tiere krankheitsanfällig machen, so die Befürchtung. Bisher gab es Vermutungen, dass Zuchtlachse weniger fruchtbar sein könnten als ihre wilden Verwandten und somit ein geringeres Gefahrenpotential durch Auswilderung darstellen. Doch das konnten die Forscher nun widerlegen.
Zuchtlachse sind fruchtbar, taugen aber nichts in freier Wildbahn
Gage und seine Kollegen führten für ihre Studie eine Reihe von in-vitro-Fertilisations-Tests mit Lachslaich durch. Sie fanden unter Bedingungen statt, die der natürlichen Umgebung der Tiere entsprechen. Alle Tests zeigten, dass Zuchtlachse genauso fruchtbar sind wie Wildlachse. „Bisher hatten wir keine genauen Informationen, ob die Zucht die Leistung von Spermien und Eizellen beeinflusst hat. Unsere Ergebnisse zeigen nun jedoch, dass diese Eigenschaften denen der Wildlachse entsprechen. Es besteht also eine erheblich Gefahr der Hybridisierung mit den wilden Populationen”, sagt Gage.
Ein Ausweg ist den Forschern zufolge die gezielte Sterilisation von Zuchtfischen. Eine mögliche Lösung wäre es, gezielt Fehler in der Zahl der Chromosomen bei den befruchteten Eiern zu induzieren. Diese Tiere tragen dann den dreifachen Chromosomensatz in ihren Zellen. Sie entwickeln sich normal, bleiben aber steril und könnten somit die Wildbestände nicht bedrohen, wenn sie mal ausbüchsen. Dieses Verfahren wird bereits bei Zuchtforellen eingesetzt. „Bisher sträubt sich die Lachs-Industrie gegen dieses Verfahren, weil es Befürchtungen gibt, triploide Lachse könnten weniger Erträge liefern”, sagt Gage. Doch den Forschern zufolge sei die Gefahr einer schleichenden Unterminierung des gesunden Genpools der Wildlachse weit wichtiger.





