Um das zu verstehen, stellten die Forscher eine einfache Energiebilanz auf: Die Energie, die ein Raubtier täglich benötigt, setzt sich aus der in Ruhephasen verbrauchten und der bei der Jagd aufgewendeten Energie zusammen. Die Größen dieser Werte hängen vom Körpergewicht, dem Stoffwechsel und der Durchschnittsgeschwindigkeit bei der täglichen Bewegung ab. Zur Verfügung steht den Räubern dagegen die Energie, die dem Kaloriengehalt aller erbeuteten Tiere entspricht. Als die Biologen diese Rechnung auswerteten, erhielten sie eine Kurve, in denen sich die beiden Gruppen widerspiegelten: Bis zu einem Körpergewicht von 14,5 Kilogramm ist die Energiebilanz günstiger, wenn die Tiere ständig sozusagen im Vorbeigehen kleine Beutetiere einfangen. Bei größeren Raubtieren kehren sich die Verhältnisse jedoch um, und der höhere Energiebedarf kann nur noch nur das aufwändige Jagen großer Beutetiere gedeckt werden.
Tiere wie Luchse oder Schakale, deren Gewicht genau im Übergangsbereich liegt, können beide Taktiken nutzen, schreiben die Forscher. Doch auch die Grenzen dieser Strategien zeigten ihre Daten: Oberhalb eines Gewichts von 1.100 Kilogramm wird der für die Jagd benötigte Energieaufwand so groß, dass die Tiere ihn auch mit großen Beutetieren nicht mehr decken können. Aus diesem Grund sind große Raubtiere wie Eisbären und Löwen auch stärker vom Aussterben bedroht als kleine ? sie können Veränderungen in der Zusammensetzung ihrer Beutetiere nur sehr schlecht ausgleichen und reagieren daher empfindlicher, so die Wissenschaftler.
Die errechneten Werte erklärten auch, warum selbst die größten Raubtiere aller Zeiten ? der Säbelzahntiger, das Urraubtier Megistotherium und der fast eine Tonne wiegende Kurznasenbär ? ein bestimmtes Gewicht nicht überschritten, berichten die Forscher. Doch auch unterhalb dieses Maximalgewichts müssen große Raubtiere Einschränkungen in Kauf nehmen: Löwen etwa sparen Energie, indem sie viel Zeit in Ruhe verbringen, und Eisbären legen immer wieder kurze Schlafphasen ein.





