Beim Blinzeln verhindert das Gehirn gezielt die Wahrnehmung der vorübergehenden Dunkelheit: Bestimmte Verbindungen im Gehirn, die auf visuelle Eingabe reagieren, werden kurz vor dem Schließen der Augenlider unterbrochen. Das haben britische Forscher herausgefunden, als sie Probanden eine Lichtquelle in die Mundhöhle gaben, die die Netzhaut auch beim Blinzeln von innen konstant beleuchtete.
Blinzeln dient dazu, die Hornhaut zu befeuchten und mit Sauerstoff zu versorgen. Während Vögel das Problem gelöst haben, in dem sie erst mit einem Auge, dann mit dem anderen blinzeln, schließen Säugetiere beide Augen gleichzeitig. Jeder Mensch blinzelt etwa 10- bis 15-mal in der Minute für jeweils eine Zehntel Sekunde. Im Gegensatz zu einer kurzzeitigen Verdunklung der Umgebung stört das Blinzeln aber nicht die Wahrnehmung. Es geschieht normalerweise unbemerkt.
Die Forscher verschlossen freiwilligen Probanden die Augen mit lichtdichten Schutzbrillen. Die Probanden nahmen einen sehr hellen Lichtleiter in den Mund, dessen Licht durch die Gaumendecke hindurch auf die Netzhaut traf. Die Netzhaut wurde also konstant mit Licht angestrahlt, auch wenn sie blinzelten. Währenddessen untersuchten die Forscher mit funktioneller Magnetresonanztomographie, welche Gehirnregionen dabei aktiv waren. Die Bereiche der visuellen Wahrnehmung waren bereits kurz vor dem Schließen der Lider ausgeblendet, beobachteten die Wissenschaftler.
Das Gehirn bekommt im Moment des Blinzelns keinen visuellen Input, was nicht durch die Dunkelheit an sich induziert wird, sondern durch das Schließen der Lider, erklären Bristow und ihre Kollegen das Phänomen. Zugrunde liegt ein von Nerven gesteuerter Mechanismus, der das Gehirn vor dem kurzzeitigen Blackout bewahrt. Dieser Vorgang läuft unbewusst ab: Wer sich nicht gerade auf das Blinzeln konzentriert, bekommt davon nichts mit.
Davina Bristow (University College, London) et al.: Current Biology (Bd. 15, S. 1296)
ddp/wissenschaft.de ? Mareile Müller-Merbach





