Faust und ihre Kollegen nahmen daher jetzt die Flusskörbchenmuschel, einen typischen Vertreter dieser Muscheln, genauer unter die Lupe: Sie ließen einige der Muscheln in Wasser wachsen, dem entweder eine wenig aggressive Influenzavirus-Variante oder der bekannte Vogelgrippe-Erreger H5N1 zugegeben worden waren. Ergebnis: Bereits nach 24 bis 48 Stunden konnten kaum noch Viren nachgewiesen werden, und die Muscheln schienen die Erreger auch später nicht mehr auszuscheiden. Auch innerhalb des Muschelgewebes fanden die Wissenschaftler keine Viren mehr.
Wie effektiv die Muscheln die Viren beseitigten, zeigte schließlich ein Test mit Brautenten, einer für H5N1-Infektionen sehr anfälligen Vogelart: Wurde den Tieren von den Muscheln gefiltertes Wasser in die Nasen gespritzt, zeigten sie auch Tage später keinerlei Krankheitssymptome. Handelte es sich hingegen um das nicht gefilterte virusbelastete Wasser, starben die Enten. Der Verzehr von Muscheln, die in dem kontaminierten Wasser gehalten worden waren, war hingegen unproblematisch für die Vögel.
Die Körchenmuscheln filtern also nicht nur die Viren aus dem Wasser, sie machen sie auch innerhalb ihres Körpers unschädlich, schließen die Forscher. Bei künftigen Modellen zur Ausbreitung der Vogelgrippe müssten daher nicht nur Eigenschaften des Wassers wie Temperatur, Strömung, pH-Wert und Salzgehalt berücksichtigt werden ? von ihnen ist bekannt, dass sie die Stabilität der Viren beeinflussen. Vielmehr seien auch Faktoren wie die verschiedenen Angehörigen des jeweiligen Ökosystems und ihr Einfluss auf die Viren zwingend zu beachten, so die Forscher.





