Als Ursache für die häufig beobachtete Unwirksamkeit der BCG-Impfung vermutete man andere Arten harmloser Mykobakterien, die in Boden und Wasser vorkommen und mit der Nahrung in den Körper gelangen können. Sie verursachen meist keine Erkrankung, könnten aber, so die Theorie, eine Immunreaktion auslösen. Impft man derart “vorimmunisierte” Menschen dann mit den BCG-Bakterien, werden diese möglicherweise sofort abgetötet und können keine eigene Immunisierung mehr hervorrufen. Die ungewollte “Impfung” durch Umweltkeime reicht aber nicht aus, um einen Schutz vor Tuberkulose zu gewähren.
Peter Andersen und seine Mitarbeiter konnten diese Theorie erstmals belegen. Sie infizierten Mäuse mit verschiedenen Mykobakterien aus Bodenproben des zentralafrikanischen Malawi. Bei der Bevölkerung Malawis hatte sich die BCG-Impfung als völlig unwirksam erwiesen. Tatsächlich schlug bei den so vorbehandelten Tieren eine anschließende Impfung nicht mehr an. Ein von den Forschern neu entwickelter Impfstoff, hergestellt aus Zellbestandteilen abgetöteter Tuberkelbakterien, behielt dagegen seine Wirksamkeit. “Jetzt haben wir eine gute Erklärung für das Versagen von BCG gefunden und wissen auch, wie wir das Problem umgehen können”, sagte Andersen gegenüber der Zeitschrift New Scientist.
Die Wissenschaftler arbeiten zurzeit an verschiedenen neuen Impfstoffen, die möglicherweise die BCG-Vakzine ersetzen könnten. Einer davon befindet sich bereits im Stadium der klinischen Prüfung. Weltweit erkranken jährlich acht Millionen Menschen neu an Tuberkulose, in den Entwicklungsländern fordert die Krankheit jedes Jahr zwei bis drei Millionen Tote.





