Immer wieder gelangen Samen oder andere Pflanzenbestandteile mit der Luft, durch Vögel oder über menschliche Verkehrswege in neue Lebensräume. Mit der Zeit siedeln sich einige dieser invasiven Pflanzen erfolgreich in ihrer neuen Umgebung an. Schlimmstenfalls verdrängen sie peu a peu die zuvor typische Flora, wenn diese sich weniger effektiv verbreitet als die Neuankömmlinge. Diese Entwicklung ist beispielsweise in den Ökosystemen an den Küsten des Mittelmeerraums gut zu beobachten, die sich durch invasive Pflanzen in den vergangenen Jahren komplett verändert haben.
Wie gelingt ortsfremden Pflanzen ein Neuanfang?
Mit welchen Strategien es invasiven Pflanzen an der Costa Brava und anderen mediterranen Küstenabschnitten gelingt, sich zu etablieren, hat der Biologe Sergi Munné-Bosch von der Universität Barcelona genauer untersucht. Dafür analysierte er, wie sich Carpobrotus, Akazie, Agave und Opuntia vermehren, die dort ursprünglich nicht heimisch, aber immer häufiger zu finden sind. Dabei stellte er zunächst fest, dass diese Pflanzen besonders gute Voraussetzungen für den Neuanfang mitbringen. „Die Carpobrotus sind sehr resistent gegenüber klimatischen Veränderungen und zeigen eine perfekte Kombination aus klonaler und sexueller Fortpflanzung, um schnell neue Räume besiedeln zu können“, beschreibt der Biologe einige Vorteile der Pflanzengattung.
Darüber hinaus können diese Pflanzen dauerhafte Samenbanken schaffen, die jahrelang unsichtbar unter der Erde vergraben bleiben, bevor sie austreiben. Dadurch sind sie sehr widerstandsfähig und nur äußerst schwer wieder loszuwerden. Die Pflanzengattung Carpobrotus umfasst zudem mehrere Arten, von denen einige bereits in der Lage sind, Hybride zu bilden, berichtet Munné-Bosch. Dadurch sind sie inzwischen so gut an die mediterranen Lebensräume angepasst, dass sie sogar die ökologisch spezielle Küste Kataloniens besiedeln können. Auch Pflanzen der Gattung Opuntia besiedeln durch ähnlich raffinierte Strategien inzwischen viele mediterrane Küstenabschnitte, unter anderem in Südfrankreich, wie die Studie belegt.
Invasive Pflanzen hatten Hilfe vom Menschen
Aber warum siedeln die fremden Pflanzen ausgerechnet am Mittelmeer? Um das herauszufinden, verglich der Biologe die mediterranen Küstenabschnitte miteinander. Das Ergebnis: Überall dort, wo sich die Flora besonders schnell wandelt, ist der Mensch stark präsent und aktiv. „Verursacht wurden diese biologischen Invasionen von uns Menschen, indem wir in diesen fragmentierten Lebensräumen einen hohen Ausbreitungsdruck erzeugt haben“, sagt Munné-Bosch. Damit meint er, dass wir durch Straßen- und Städtebau, Tourismus und Gärtnerei die Landschaft dauerhaft verändert haben. Dadurch wurden die natürlichen Lebensräume am Mittelmeer immer kleinteiliger, was den invasiven Arten die Ansiedlung und anschließende Anpassung erleichtert hat, so der Biologe. Demnach hilft der Mensch durch seine Eingriffe unfreiwillig invasiven Pflanzenarten beim Überleben.





