Diese Aussagen untermauern die Forscher durch die Ergebnisse einer Datenanalyse zu 2.135 Wildtierpopulationen weltweit – zu Lande und zu Wasser. Sie werteten Räuber-Beute-Systeme aus, aber auch die Ausmaße und Charakteristika der menschlichen Bejagung beziehungsweise Befischung. Den Forschern zufolge ist besonders ungewöhnlich, dass der Mensch es auf viele Raubtiere abgesehen hat: Menschen jagen und töten große Landraubtiere wie Bären, Wölfe und Löwen neunmal häufiger, als sich diese Raubtiere in freier Wildbahn gegenseitig umbringen. Noch deutlich krasser ist der Effekt im Meer. Die Fischerei dezimiert die Fischbestände 14-mal intensiver als natürliche Meeresräuber, berichten Darimont und seine Kollegen.
Das „reproduktive Kapital” im Visier
Der Mensch unterscheidet sich auch grundlegend von den tierischen Räubern dadurch, dass er besonders stark erwachsene Tiere einer jeweiligen Art erbeutet. „Während Raubtiere meist Jungtiere fangen, dezimiert der Mensch die fortpflanzungsfähigen erwachsenen Tiere – das reproduktive Kapital der Bestände”, sagt Co-Autor Tom Reimchen von der University of Victoria. Den Forschern zufolge geht dies mit kritischen Effekten auf die Tierpopulationen einher. Der Mensch entnimmt im Gegensatz zu den Raubtieren die besten und stärksten Individuen aus den Beständen. Dies entspricht nicht der natürlichen Auslese, die bisher die Entwicklung von Tieren und Ökosystemen prägte.
Unterm Strich kommen die Forscher zu dem Fazit: „Unsere effizienten Tötungstechniken, das Weltwirtschaftssystem und der Blick auf kurzfristige Profite haben den Menschen zu einem gefährlichen Superraubtier gemacht. Unsere Auswirkungen sind ebenso extrem, wie unser Jagdverhalten und die Erde ist nun unserer räuberischen Dominanz ausgeliefert”, sagt Darimont. Er und seine Kollegen sehen in ihrer Studie einen dringenden Appell an die Menschheit, umgehend Maßnahmen zur nachhaltigen Nutzung der Tierwelt zu ergreifen. Dabei sollten wir uns am Verhalten der anderen Räuber unseres Planeten orientieren, meinen die Wissenschaftler.





