Frost und seine Kollegen hatten jedoch einen anderen Mechanismus im Verdacht. Sie konzentrierten sich in ihrer Studie auf kurzkettige Fettsäure-Acetate. Diese chemischen Verbindungen entstehen in großer Menge, wenn Ballaststoffe von Darmmikroben fermentiert werden. Um herauszufinden, ob die Acetate der entscheidende Appetithemmer sind, injizierten die Forscher Mäusen eine Acetat-Lösung direkt in den Darm oder aber in den Blutkreislauf. Anschließend beobachteten sie, wie viel die Mäuse hinterher fraßen. Das Ergebnis: Hatten die Mäuse eine Acetat- Injektion erhalten, war ihr Appetit mehrere Stunden lang gedämpft. Ihr sonstiges Verhalten und auch ihr Zuckerstoffwechsel veränderten sich jedoch nicht, wie die Forscher berichten.
Appetitzügelnder Botenstoff
Nähere Untersuchungen des Hirnstoffwechsels gaben auch Hinweise darauf, wie die Acetate den Appetit beeinflussen: Wie sich zeigte, gelangen diese Abbauprodukte fermentierter Ballaststoffe über den Blutkreislauf bis ins Gehirn. Dort reichern sie sich vor allem im Hypothalamus an – einem für die Steuerung unseres Stoffwechsels und Hungergefühl wichtigen Zentrum. “Das ist das erste Mal, dass eine solche bevorzugte Aufnahme von Acetat in den Hypothalamus nachgewiesen wurde”, sagen die Forscher. Als Folge dieser Aufnahme stieg kurz darauf der Gehalt eines appetithemmenden Neuropeptids um das Vierfache an. Andere Botenstoffe wurden deaktiviert. “Diese Daten demonstrieren, dass es einen zuvor unbekannten Mechanismus gibt, durch den die Fermentation von Ballaststoffen das Körpergewicht beeinflusst”, konstatieren Frost und seine Kollegen.
Für die Medizin könnten sich diese Ergebnisse als vielversprechend erweisen – jedenfalls wenn sich dieser Effekt beim Menschen bestätigt. Denn schon die Gabe von Fettsäure-Acetaten allein löst offenbar den appetitdämpfenden Effekt aus. Das aber bedeutet: Diese Verbindungen könnten möglicherweise künftig als Appetitzügler eingesetzt werden – und so die heutige, zu ballaststoffarme Ernährung ausgleichen. “Denn obwohl viele Studien zeigen, dass ballaststoffrieche Ernährung gesünder ist, folgen nur wenige Menschen diesen Ratschlägen – oft weil diese Nahrungsmittel weniger gut schmecken oder es Verdauungsprobleme gibt”, erklären die Forscher. Das Acetat könnte diese Probleme ausgleichen und daher vielleicht als potenzielles Therapeutikum gegen Übergewicht nützlich sein.





