Der “Schutz in der Gruppe” machte die Entwicklung von bunt gefärbten Insekten möglich, fanden finnische Forscher. Die Insekten mit den schrillen Warnfarben tauchen teilweise in der Gruppe unter und gewinnen so wertvolle Zeit, bis die Räuber lernen, dass die farbigen Tiere ungenießbar sind. Das berichten die Biologen in der Fachzeitschrift Nature.
Bislang hatten sich Biologen gefragt, wie sich auffällig gefärbte Insekten entwickeln konnten. Denn die bunten Insekten könnten von den Feinden getötet werden, bevor diese lernen, dass die Insekten ungenießbar sind.
Wissenschaftler von der Universität Jyväskylä in Finnland führten jetzt Versuche mit Kohlmeisen durch, um herauszufinden, ob die auffällig gefärbten Insekten während ihre Evolution bessere Überlebenschancen haben, wenn sie in Gruppen auftreten. Sie fertigten kleine mit Mandeln gefüllte Papiertaschen, die sie mit auffälligen Signalen markierten. Dann legten sie den Boden einer Vogelvoliäre mit einem Papierbogen aus, der mit einem der Signale ähnlichen Muster bedruckt war. Nun legten sie die Papiertaschen einzeln auf dieses Hintergrundmuster. Je stärker sich das Signal auf der Papiertasche von dem Hintergrundmuster abhob, desto öfter wurden diese Papiertaschen von den Meisen angeflogen. Übertragen auf die Insekten bedeutet das, dass die auffälligsten Insekten am Häufigsten gefressen werden.
Dann legten die Biologen die Papiertaschen in Gruppen aus. Diese Gruppen wurden insgesamt öfter angeflogen als die einzeln liegenden Papiertaschen, denn durch ihre Anhäufung waren sie für die Meisen auffälliger. Für eine einzelne Papiertasche in einer Gruppe – die ja hier stellvertretend für ein auffällig gefärbtes Insekt ist – nimmt aber das Risiko angeflogen und gefressen zu werden nicht direkt proportional zur zunehmenden Gruppengröße zu. Dieser Effekt wird als Verschleierungs – oder Vermeidungseffekt bezeichnet. Das bedeutet, dass die einzelnen Insekten in einer großen Gruppe relativ sicherer sind als in einer kleinen.
Ralf Möller





