Trotz ihrer Größe sind Wale in den Weiten der Ozeane oft nur schwer aufzuspüren. Lokale Sichtungen und Satellitenaufnahmen von auftauchenden Walen erlauben Forschern zwar Rückschlüsse auf das Vorkommen und die Wanderungen der riesigen Meeressäuger, liefern aber nur ein unvollständiges Bild. Auch Unterwassermikrophone, sogenannte Hydrophone, die Walgesänge aufzeichnen, decken jeweils nur einen kleinen Bereich ab. Gerade angesichts der sich verändernden Aktivitäten von Walen und Menschen im Zuge des Klimawandels ist es für Forscher wichtig, genauere Daten über die Aufenthaltsorte von Walpopulationen zu bekommen, um die Tiere wirksamer schützen zu können.
„Satelliten“ im Ozean
Ein Team um Léa Bouffaut von der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie in Trondheim hat nun erfolgreich einen neuen Ansatz getestet, der es ermöglichen könnte, Wale anhand ihrer Gesänge in großen Bereichen der Ozeane aufzuspüren und womöglich sogar in Echtzeit zu überwachen. Dazu nutzten die Forscher bereits bestehende am Meeresgrund verlegte Glasfaserkabel und zapften diese mit einer Technik namens Distributed Acoustic Sensing (DAS) an. Die DAS-Technik ermöglicht, mit Hilfe eines Abfragegeräts Lichtpulse durch ungenutzte Fasern der Glasfaserkabel zu schicken und deren Laufzeit auszuwerten. Erschütterungen des Kabels beeinflussen die Laufzeit der Signale. Daher wird das System bereits heute zur Erdbebenerkennung eingesetzt.
Bouffaut und ihr Team fokussierten sich auf viel schwächere Erschütterungen: Jene, die die Schallwellen der Walrufe verursachen. „Ich glaube, dass dies das Feld der marinen Bioakustik verändern kann“, sagt Léa Bouffaut. „Der Einsatz von Hydrophonen ist extrem teuer. Aber Glasfaserkabel liegen überall auf der Welt und sind leicht zugänglich. Aus meiner Sicht könnte dieses System so etwas wie Satelliten im Ozean werden.“
Neue Art von Daten
Durchgeführt wurden die Forschungen im Svalbard-Archipel in Norwegen. In diesem Teil des Arktischen Ozeans sind Bartenwale wie Blauwale im Sommer auf Nahrungssuche. 44 Tage lang zeichneten die Forscher die Signale aus den dort verlegten Glasfaserkabeln auf und erhielten dabei eine riesige Datenmenge von rund sieben Terabyte am Tag. „Wenn sich irgendetwas in der Nähe dieser im Meeresboden vergrabenen Faser bewegte oder ein Geräusch verursachte, konnten wir das messen“, berichtet Bouffauts Kollege Martin Landrø. „Wir haben also eine Menge Schiffsverkehr gesehen, natürlich auch viele Erdbeben, und wir konnten selbst weit entfernte Stürme erkennen. Und zu guter Letzt: Wale. Insgesamt haben wir mindestens 830 Walrufe registriert.“





