Wälder sind nicht nur die „grüne Lunge“ unseres Planeten – sie wirken auch als Puffer im Klimasystem. Denn die Bäume nehmen bei der Photosynthese Kohlendioxid (CO2) auf und bauen es in Form organischer Verbindungen in ihre Gewebe ein. Damit tragen sie zur Senkung des CO2-Gehalts der Atmosphäre bei. Erst kürzlich kamen Forscher in einer Studie zu dem Schluss, dass eine gezielte weltweite Aufforstung bis zu zwei Drittel der anthropogenen CO2-Emissionen ausgleichen könnte. Auch am Erreichen der im Klimaabkommen von Paris festgelegten Klimaziele haben Wälder einen erheblichen Anteil – auch und gerade in der Europäischen Union. “In den Ländern der EU machen Wälder zurzeit einen Anteil von rund 38 Prozent der Fläche aus”, berichten Guido Ceccherini vom Forschungszentrum der EU in Ispra und seine Kollegen. “Die Menge des durch diese Wälder in der EU gebundenen Kohlenstoffs ist in den letzten 25 Jahren weitgehend stabil geblieben und gleicht momentan rund zehn Prozent des gesamten Treibhausgas-Ausstoßes der EU aus.”
Abrupter Wandel ab dem Jahr 2016
Doch über die Waldentwicklung der letzten Jahre existierten bislang nur unvollständige Daten. Denn in vielen Ländern finden Waldinventuren wegen ihres hohen Aufwands nur alle fünf bis zehn Jahre statt, Satellitenbilder wiederum sind zwar aktueller, aber oft nur grob aufgelöst. Um einen besseren Überblick zu gewinnen, haben Ceccherini und sein Team nun hochaufgelöste Walddaten mehrerer Landsat-Satelliten der NASA mit nationalen und europaweiten Datenquellen kombiniert. In einer computergestützten Auswertung ermittelten sie daraus Veränderungen der Waldfläche in 26 EU-Ländern in der Zeit von 2004 bis 2018. Flächen, in denen große Waldbrände oder Sturmschäden den Baumbestand zerstört haben, nahmen sie aus der Berechnung heraus. Dadurch konnten sie feststellen, wo und wie viele Waldflächen primär durch menschliche Aktivitäten hinzugekommen oder verschwunden sind.
Die Auswertungen ergaben, dass die Waldflächen und damit auch die Rodung und Entnahme von Holz in der Zeit von 2004 bis 2015 sehr stabil war. Sowohl in der Verteilung wie in der Gesamtfläche gab es in den EU-Ländern nur wenig Veränderungen. “Im Gegensatz dazu haben wir einen plötzlichen Anstieg der Entwaldung für die Jahre 2016 bis 2018 beobachtet”, berichten Ceccherini und seine Kollegen. Die gerodete Waldfläche nahm in diesem Zeitraum um 43 Prozent gegenüber dem Mittel von 2004 bis 2015 zu. Die jährlich entnommene Holz-Biomasse ist dadurch sogar um 69 Prozent gegenüber dem Zeitraum 2011 bis 2015 gestiegen. Die Forscher führen diese abrupte Zunahme des Holzeinschlags primär auf Veränderungen in der Bewirtschaftung der Wälder und die Rodung von Waldflächen zurück, nicht auf natürliche Effekte wie Sturm oder Feuer, denn diese seien in der Analyse schon herausgerechnet worden.





