Satellitenaufnahmen von großflächigen Waldbränden ähneln bestimmten Fraktalen. Dies hat italienische Wissenschaftler dazu veranlasst, die Ausbreitung von Waldbränden mittels Computersimulationen zu analysieren. Deren Ergebnisse stimmen weitgehend mit Satellitenbeobachtungen überein. Ihre Arbeit wird in einer der nächsten Ausgaben der Europhysics Letters abgedruckt sein.
Bei der Analyse von Satellitenfotos dreier verheerender Waldbrände in Europa fiel Guido Caldarelli von der La-Sapienza-Universität in Rom deren Ähnlichkeit mit Fraktalen auf. In der Tat scheinen viele Waldbrände das typische Fransenmuster von so genannten Perkolation-Clustern an ihren Rändern aufzuweisen. Einen weiteren Hinweis auf das fraktale Wachstum der Brände ist der Umstand, dass meist nicht die gesamte von der Feuerfront eingeschlossene Fläche brennt, sondern nicht brennende Inseln übrig bleiben. Caldarelli nahm diese beiden für Perkolationen typischen Merkmale zum Anlass, Waldbrände in Simulationen auf fraktales Wachstum zu analysieren.
Seine so generierten Bilder weisen eine hohe Übereinstimmung mit den Satellitenaufnahmen auf. Daher scheint die Ausbreitung von Waldbränden in der Tat einem fraktalen Wachstum zu gehorchen. Löschaktionen sollten sich daher auf die Randbereiche eines Brandes konzentrieren – dort kann das fraktale Wachstum, sprich die Ausbreitung des Feuers, effektiver gestoppt werden als durch einen Löschversuch des Herdes.
Eine Vielzahl von Wachstumsprozessen der belebten und unbelebten Natur gehorcht den Gesetzen des fraktalen Wachstums – so z.B. die Schneeflocken an der Fensterscheibe oder die Flussdeltabildung. Fraktale Gebilde zeichnen sich im allgemeinen durch gebrochene Dimensionen aus, sie sind Mitteldinge zwischen Linie und Fläche bzw. Fläche und Körper.
Stefan Maier