Die Wachposten des Immunsystems in der Lunge können Immunreaktionen des Körpers sowohl aktivieren als auch unterdrücken. Dieser Doppelrolle der Wächtermoleküle, so genannter Collectine, kamen amerikanische Wissenschaftler bei der Untersuchung genetisch veränderter Mäuse auf die Spur. Das berichten die Forscher im Fachmagazin Cell (Ausgabe vom 3. Oktober).
Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass die Collectine beim Eindringen fremder Organismen oder Substanzen in die Lunge Alarm schlagen und das Immunsystem ankurbeln. Peter Henson und seine Kollegen vom nationalen jüdischen Zentrum für Medizin und Forschung in Denver entdeckten jedoch, dass dieses Modell nur einen Teil der Wahrheit widerspiegelt: Experimente mit Mäusen zeigten, dass die Immunantwort stärker wird, wenn die Wächtermoleküle fehlen, und nicht schwächer, wie nach gängiger Theorie zu erwarten wäre.
Die Collectin-Struktur brachte die Wissenschaftler schließlich auf die richtige Spur: Unter normalen Umständen binden die Wächterproteine an die Oberfläche der Lungenzellen und dämpfen damit die Empfindlichkeit des Immunsystems. Nur so kann verhindert werden, dass an der riesigen Lungenoberfläche “falscher Alarm” ausgelöst wird und das Immunsystem auch alltägliche Irritationen wie Staub und andere Schmutzpartikel bekämpft.
Dringen jedoch potenziell gefährliche Erreger in die Lunge ein, heften sich die Collectine bevorzugt an deren Oberfläche. Erst in dem Moment können spezielle Schaltermoleküle die andere Seite der Eiweiße erkennen und dem Immunsystem den Befehl zum Angriff geben. Die Wächtermoleküle spielen beim Schutz der Lunge also nicht eine Rolle, sondern zwei.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





