Futterknappheit macht Kapuzineräffchen erfinderisch: In der langen Trockenzeit benutzen die Affen Steine als Grabwerkzeuge, um an mehr Futter zu gelangen. Die Affen sind bislang die einzigen wilden Tiere, die dabei beobachtet werden konnten, wie sie Steine bei der Futtersuche einsetzen, erklären Antonio Moura und Phyllis Lee von der Universität in Cambridge im Fachmagazin Science (Bd. 306, S.1909, 10. Dezember). Ähnliches Verhalten konnte bei Kapuzineraffen bislang nur in Gefangenschaft beobachtet werden.
Im Trockenwald Nordbrasiliens beobachteten die Wissenschaftler, wie Kapuzineräffchen (Cebus apella libidinosus) fast täglich Hilfsmittel bei der Futtersuche einsetzten. Die Tiere benutzten Steine, um Samenkörner und hohle Äste aufzubrechen. Am liebsten setzten die Kapuzineräffchen die Steine jedoch zum Graben ein: Dabei hielten sie den Stein in einer Hand und schlugen damit mehrmals auf den Boden, während sie mit der freien Hand die dadurch gelockerte Erde beiseite räumten und Knollen, Wurzeln oder Insekten ans Tageslicht beförderten. Die ausgegrabenen Knollen zerteilten die Affen mithilfe der Steine in mundgerechte Stücke.
Die Forscher beobachteten auch, wie die Äffchen mit Zweigen in Baumhöhlen und Felsspalten nach Honig, Insekten und Wasser suchen. Einige Zweige bearbeiteten die Tiere dabei, bevor sie sie zur Futtersuche eingesetzten: Sie rissen störende Blätter und Stängel ab. Für die Affen lohnt sich das Einsetzen ihrer Hilfsmittel jedoch wohl nur in der langen Trockenzeit, vermuten die Forscher. Dann wird die Nahrung oft so knapp, dass die Affen mit den Hilfsmitteln schneller an mehr Futter kommen.
ddp/bdw ? Eva Hörschgen





