Ein englischer Geochemiker hat eine verlässliche Methode für Gerichtsmediziner gefunden, um den Todeszeitpunkt eines Opfers zu bestimmen. Auch auf die regionale Herkunft des Toten kann er mit dieser Technik Hinweise geben, berichtet das Fachmagazin New Scientist (Ausgabe vom 15. März).
Stuart Black von der Universität Reading nutzte bei seinem ersten Kriminalfall den Zerfall der Isotope Blei-210 und Polonium-210. Diese beiden Isotope haben gegenüber der Radiocarbondatierung den Vorteil, dass sie kürzere Halbwertszeiten haben. Damit sind sie auch für Todesfälle verwendbar, die zum Beispiel nur einige Wochen oder Jahre zurückliegen. Die Radiocarbonmethode wird dagegen vor allem bei archäologischen Datierungen verwendet.
Blei-210 und Polonium-210 gelangen über die Nahrung in die Knochen und zerfallen dort mit einer bestimmten Geschwindigkeit. Stirbt der Körper, werden keine neuen Isotope mehr in die Knochen eingelagert. Anhand des Bleis, das in bestimmten Mengen eingeatmet wird, kann der Forscher auch die Herkunft eines Opfers bestimmen, da diese Mengen für bestimmte Regionen typisch sind. So konnte Black berechnen, dass die verkohlten Reste eines ermordeten Mannes etwa eine Woche alt waren und dass der Mann aus der früheren Sowjetunion stammte.
Bisher mussten sich Gerichtsmediziner darauf verlassen, wie der Körper unter bestimmten klimatischen Verhältnissen verwest. Oft sind diese Werte jedoch nicht bekannt. Methoden, die noch relativ frische Leichenfunde aufklären, benutzen Totenflecken, Leichenstarre und Körpertemperatur als Hinweise.
Ist die Leiche älter als drei oder vier Tage funktionieren diese Methoden jedoch nicht mehr. Dann besteht die Möglichkeit, nach Insekten in oder auf der Leiche zu suchen, um anhand des Entwicklungsstadiums der Larven die Liegezeit des toten Körpers zu bestimmen. Dazu muss allerdings die Umgebungstemperatur und die Feuchtigkeit bekannt sein.
Birgit Schätz





