Die wichtigste Energiequelle für das Leben auf der Erde ist die Sonneneinstrahlung. Gleichzeitig prägt sie maßgeblich unser Klima. Seit Beginn der Sechzigerjahre wird ihre Stärke an Hunderten auf der ganzen Welt verteilten Standorten gemessen. Die Daten werden an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) zusammengetragen und ausgewertet. Darauf basierend kamen verschiedene Studien zu dem Ergebnis, dass die Sonneneinstrahlung auf die Erdoberfläche seit Beginn der Messreihen um vier bis sechs Prozent abgenommen hat. Wissenschaftler nennen dieses Phänomen „global dimming”. Verantwortlich dafür wurde vor allem die zunehmende Luftverschmutzung gemacht, die es den Sonnenstrahlen erschwert, zur Erde durchzudringen. Allerdings: Grundlage für die Untersuchungen waren stets Daten, die vor 1990 gemessen wurden.
Jetzt haben die ETH-Klimatologen Martin Wild und Atsumo Ohmura erstmals die Messungen aus jüngster Zeit über die Sonneneinstrahlung analysiert und sind zu einem überraschenden Ergebnis gekommen: Seit Mitte der Achtzigerjahre nimmt die Sonneneinstrahlung in den meisten Regionen der Erde wieder zu. Die Forscher registrierten einen Anstieg um rund vier Prozent und sprechen von „global brightening”. Wild und Ohmura nennen als Grund, dass die Atmosphäre durch verbesserte Luftreinhaltemaßnahmen wieder sauberer geworden sei. Außerdem seien Industriezweige mit hohem Schadstoffausstoß abgebaut wurden. Dazu komme eine geringere Bewölkung, für die es seit Beginn der neunziger Jahre Anzeichen gebe.
Doch was auf den ersten Blick positiv wirkt, hat negative Auswirkungen auf das Klima. Wild ist überzeugt, dass die Luftverschmutzung in den Sechziger- bis Achtzigerjahren den Treibhauseffekt zumindest teilweise maskiert hat: „Weil die Sonneneinstrahlung schwächer war, entwickelte sich in dieser Zeit die globale Erwärmung nicht so, wie man das auf Grund der steigenden Konzentration an Treibhausgasen hätte erwarten müssen” , sagt der Wissenschaftler. „Dagegen hat sich in den letzten 15 Jahren die globale Erwärmung deutlich beschleunigt. Dies zeigt sich unter anderem im verstärkten Rückgang von Gletschern.”





