Text: Bettina Wurche
Sie verbringen ihr ganzes Leben im Meer, tauchen bis zu 1500 Meter tief und legen Tausende Kilometer im Wasser zurück. Etwa alle zwei bis fünf Jahre machen sich Meeresschildkrötenweibchen auf zu ihrem Geburtsstrand, um selbst Eier zu legen. Dafür bringen sie teils mehr als 2500 Kilometer hinter sich. Bei dieser langen Wanderung weisen Sonne und Mond ihnen den Weg.
Doch Licht hilft nicht nur Schildkröten und anderen Meereslebewesen bei der Navigation, sondern auch bei der Suche nach Essen oder Partnern. Es bildet die Nahrungsgrundlage für nahezu das gesamte maritime Nahrungsnetz (abgesehen von ein paar Tiefseebakterien, die sich mit Chemosynthese ernähren und Energie von Methan oder Schwefelwasserstoff gewinnen). Es hilft Beute anzulocken und Feinde zu verschrecken. Alle Bewohner der Ozeane sind perfekt an die jeweiligen Lichtverhältnisse ihrer Umgebung angepasst. Und selbst in der Tiefsee, wo absolute Finsternis herrscht, sind die meisten Organismen abhängig vom Licht.
Das gilt im Kleinen für die Schildkrötenbabys, deren Mütter sich mit Hilfe von Sonne und Mond an Land navigieren und die vom Sonnenlicht ausgebrütet werden. Doch der Einfluss des Lichts geht darüber hinaus. Das Zusammenspiel aus Sonnenlicht und Salz treibt die Meeresströmungen an: Erwärmtes und salzarmes Wasser hat eine geringere Dichte als kühleres mit höherem Salzgehalt. Dadurch entsteht ein Sog, der wärmeres Wasser nachzieht. Dieses physikalische Phänomen lässt im Nordatlantik und im Südpolarmeer kühle Wassermassen in die Tiefen gleiten und zieht wärmeres Wasser aus den äquatorialen Zonen nach. So wird etwa der Golfstrom, der Wasser aus der Karibik nach Nordeuropa transportiert, zum globalen Förderband für Wärme.
Das sonnendurchflutete Meer (0-200 Meter Tiefe)
Der oben liegende Teil des Meeres ist der wärmste. Ungefähr 200 Meter tief reicht diese oberste, lichtdurchflutete Wasserschicht, die zwar nur zwei bis drei Prozent der Weltmeere ausmacht, aber ähnlich schillernd und artenreich wie die tropischen Regenwälder ist. Die bunten Riffkorallen sind von Fischen und wirbellosen Tieren aller Formen und Farben bevölkert. In den hellen Meeresschichten lebt auch das Phytoplankton. Diese mikroskopisch kleinen Algen und Cyanobakterien bilden mit wenigen Ausnahmen die Grundlage des Nahrungsnetzes im gesamten Ozean. Aus Lichtenergie, Kohlenstoffdioxid und Wasser produzieren sie Glukose und Sauerstoff und ernähren sich davon. Damit stellen sie etwa 98 Prozent aller Nährstoffe im Meer her. Und bilden die Grundlage des gesamten marinen Nahrungsnetzes. Denn das etwas größere Zooplankton frisst Phytoplankton und ist selbst wiederum Nahrung für größere Meerestiere, von kleinen Fischen bis hin zu den riesigen Blauwalen und Walhaien. Nach dem Absterben rieseln Planktonreste, Bakterienklumpen und andere organische Reste bis in die Tiefsee hinab – die weißlichen Flocken heißen auch Meerschnee.





