Die Verpflanzung von Muskel- oder Stammzellen ist nicht die einzige Möglichkeit, geschädigtes Herzmuskelgewebe zu erneuern. Amerikanische Forscher des Wistar Institute arbeiten mit einem Mäusestamm (MRL), der zu einer für Säugetiere ungewöhnlichen Regeneration von zerstörtem Herzgewebe fähig ist. Anstelle des sonst typischen Narbengewebes entstehen bei den Tieren durch gesteigerte Teilungsaktivität neue, funktionsfähige Herzmuskelzellen. Darüber berichtet die Online-Ausgabe der Proceedings of the National Academy of Sciences.
Die Arbeitsgruppe von Ellen Heber-Katz untersuchte den Heilungsprozess nach Verletzung des Herzmuskels bei Mäusen. Normalerweise reagieren Säugetiere darauf durch eine Art “Notreparatur”, indem aus Bindegewebszellen ein Narbengewebe entsteht. Die MRL-Mäuse waren jedoch zu einer echten Regeneration fähig, das heißt, sie ersetzten die zerstörten durch neue Herzmuskelzellen. Zwei bis drei Monate nach der Verletzung war die Herzmuskelfunktion wiederhergestellt, Narbengewebe wurde kaum gebildet.
Eine solche Regeneration war bisher nur von niederen Wirbeltieren wie Amphibien bekannt, die sogar ganze Körperteile regenerieren können. Normalerweise werden bei Säugetieren nach einer Verletzung nur ein bis drei Prozent der intakten Herzzellen zu Zellteilungen angeregt. Bei den MRL-Mäusen teilten sich im Bereich des geschädigten Gewebes bis zu 20 Prozent der Zellen. “In über 15 Jahren Forschung an Muskelgewebe habe ich so etwas noch nie gesehen”, sagt Teammitglied John Leferovich.
Durch weitere Untersuchungen wollen die Forscher jetzt herausfinden, welche Gene für die außergewöhnliche Regenerationsfähigkeit verantwortlich sind. Wäre eine Aktivierung dieser Gene durch Wirkstoffe möglich, könnte vielleicht auch beim Menschen eine ähnliche Form der Selbstheilung ausgelöst werden.
Joachim Czichos





